Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Eine Leistung der frommen "Kreuzzeitung"
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 171 (sequence 2)
- Language
- German
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Eine Leistung der frommen „Kreiszeitung". 171 nicht bringen können! Wir kommen aus diese antisemitische Leistung, um die Pückler, Ahlwardt und Genossen die „Kreuz- Zeitung" beneiden könnten. Zurück, weil an sie der Vorwurf eines gänzlich „undeutschen" Handelns geknüpft war. Dieser Vorwurf wäre weit eher der „Kreuzzeitung" selbst zu machen, weil sie ihn in einem Falle erhebt, in dem seine Grundlosigkeit mühelos festgestellt werden kann. Politische Gegner durch unrichtige Angaben herabzusetzen, ist gewiß „undeutsch" und gänzlich unvereinbar mit der Losung, mit welcher die Leiter des frommen Blattes stets Zu Felde Ziehen. Eine Veröffentlichung der Beiträge, welche deutsche Juden, ganz abgesehen von ihrer Opferfreudigkeit für besondere jüdische Einrichtungen, für allgemeine Wohltätigkeitszwecke leisten, würde das Gegenteil der in dem gedachten Artikel der „Kreuzzeitung" enthaltenen herabwürdigenden Behauptungen haarklein beweisen. Dabei würde sich nicht nur ergeben, daß der deutsche Jude stets etwas übrig hat für den Deutschen im Auslande, gleichviel welchen Glaubens er ist, sondern daß er oft über seine Verhältnisse Opfer bringt. Seine Opferfreudigkeit ist dabei keineswegs auf einen höheren Wohlstand der deutschen Juden zurückzuführen, sondern auf ihren hochentwickelten Wohltütigkeitssinn; denn nach statistischen Nachweisen ist das durchschnittliche Vermögen der gesamten deutschen Juden wesentlich niedriger als das Durchschnittsvermögen der gesamten christlichen Bevölkerung Deutschlands. Bekanntlich sind die größten Reichtümer in Deutschland im Besitze von christlichen Großgrundbesitzern und Industriellen, als deren Sprachrohr die „Kreuz- Zeitung" gilt oder wenigstens gelten möchte. Um die Behauptung der „KreuZzeitung" zu widerlegen, bedarf es fast nur des Hinweises auf die in der „Frankfurter Zeitung" veröffentlichten Listen der dortigen Sammlungen für die geschädigten Deutschen in Rußland. Aus diesen Listen ist unschwer zu entnehmen, daß der weitaus größere Teil der Frankfurter Spenden für die geschädigten Deutschen in Rußland von Juden herrührt, wahrend Protestanten und Katholiken der dortigen Gegend nicht relativ, sondern absolut bei diesem Liebeswerke zurückstanden, obwohl es in Frankfurt a. M. 10mal soviel und im übrigen Regierungsbezirk Wiesbaden 18mal soviel Christen als Juden gibt. Zu den Bewohnern jenes Regierungsbezirkes gehören dabei recht viele reich begüterte Christen. Ebenso beweiskräftig sind