Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- S. L., Graudenz
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 122 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Im deutschen Reich. S. L., Graudenz. Von dem „Geselligen" können Sie nicht verlangen, daß er an den Neuerungen agrarischer Führer Kritik übt. Es ist durchaus glaubhaft, daß der Leiter des „Bundes der Landwirte" v. Wangenheim in der Westpreußischen Provinzialversammlung des Bundes Zu Marienburg gesagt hat: „In Rußland sind die Führer der Bewegung das internationale Judentum, und darauf sollte man auch gerade bei uns achten. Die Hauptvertreter der Sozialdemokratie sind ja auch bei uns Juden und immer Juden." Diese Behauptung sieht Herrn von Wangenheim ähnlich, dem es gar nicht darauf anzukommen scheint, selbst Bebel und Liebknecht zu Juden zu machen. Die Bundesgenossenschast des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes mit dem Bunde der Landwirte, die einem Antisemiten im Kreise Eisenach-Dernbach Zu einem Reichstagsmandat verhalf, hat gezeigt, daß der Judenhaß die heterogensten Elemente zusammenschweißt. „Daraus sollte man auch gerade bei uns achten." S. 'P. Hamburg Die von dem dortigen antisemitischen „Deutschen Blatt" am 26. Januar gebrachte Notiz, den Beschluß der Repräsentanten-Versammlung der Berliner jüdischen Gemeinde über den Religionsunterricht christlicher Proselyten betreffend, leidet wie die meisten antisemitischen Auslassungen an arger Uebertreibung. Nach dem 1. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches 14. Jahrgang 1905 haben im Jahre 1903 im Königreich Preußen im Ganzen 285 384 Eheschließungen stattgesunden: davon waren etwa 500 jüdisch-christliche Mischehen. Das nennt das Hamburger Antisemitenblatt: „Verjudung der christlichen deutschen Einwohnerschaft durch Mischehen." G. L., München. Die Erfahrungen, die das Zentrum dort mit dem Bündnis mit den Antisemiten gemacht hat, haben noch immer nicht nachhaltig genug gewirkt, sonst hätte sich im bayerischen Landtag, nachdem sich Vertreter fast aller anderen Parteien über die Schönlebensche Entgleisung absprechend geäußert hatten, auch ein Vertreter des Zentrums über die Beschimpfung der bayerischen Soldaten jüdischen Glaubens entrüstet Zeigen müssen. Die gläubigen Katholiken müßten wirklich endlich einsehen, daß der Antisemitismus mit logischer Konsequenz „entchristlicht", und wo er die loyale Maske lüftet, „antikapitalistisch und anarchistisch" wirkt. Empfehlen Sie doch den klerikalen Herren, einmal den in der antisemitischen Magdeburger „Sachsenschau" am 3. Dezember v. I. veröffentlichten