Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 110 (sequence 2)
- Language
- German
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110 Im deutschen Reich. ihre Korrespondenz in dem Berichte über seinen Vortrag lückenhafte und einseitige Zitate enthalten. Darauf erwidert die „Frankfurter Zeitung": „1. Daß es sich bei den staaLswissenschaftlichen Fortbildungskursen nicht um „UniversiLätsvorlesungen" im streng akademischen Sinne handelt, die ausschließlich von Professoren gehalten werden, sondern daß auch Nichtakademiker Vorträge halten, und daß vor allen Dingen der Kreis der Hörer nicht ein exklusiv akademischer ist. 2. Wie das Thema gelautet hat, ist füglich gleichgiltig; in Frage kommt nur, was Herr Professor Biermer ausgeführt hat. 3. Daß der Bericht lückenhaft war, ist natürlich; es kann nicht Aufgabe des Berichterstatters sein, den Vortrag wörtlich zu bringen. Daß er dem Sinne nach zutreffend berichtet hat und durchaus nicht „einseitig", zeigt am besten ein Auszug, den uns Herr Professor Biermer von seinem Vortrag sendet. Nach einer Verwahrung dagegen, als ob es sich bei diesen Ausführungen um antisemitische Regungen handle, wird zusammenfassend nochmals behauptet, „daß das Judentum, wenigstens dasjenige, das neu in der Kulturwelt auftritt, einen bedauerlichen Mangel an historischem Sinn, eine erschreckende Respektlosigkeit vor den bestehenden staatlichen Gewalten und eine ausgesprochene Neigung zu kosmopolitischen Tendenzen aufweist." Diese Art „wissenschaftlicher" Vorträge wird Herr Professor Biermer kaum als Produkte reklamieren können, die Anspruch darauf haben, als streng akademische gewürdigt zu werden. Mit dieser Art fortzubilden, begibt er sich auf das Gebiet der Alltagspolemik, und unseres Erachtens noch dazu einer sehr wenig glücklichen. Wer das tut, muß sich aber auch gefallen lassen, daß der Schutz, den akademische Vorträge sonst genießen, ihm versagt bleibt." ~ Gießen, 3. Februar. Dieser Tage hat hier eine VerLrauensmännerversammlung der deutsch-sozialen Partei stattgefunden, in der Landtagsabgeordneter Bürgermeister Philipp Köhler von Langsdorf als Kandidat der Partei für den Reichstagswahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda aufgestellt wurde. Köhler, der anwesend war, nahm die Kandidatur an. Die Antisemiten fangen frühzeitig an, für die Reichstagswahlen zu arbeiten; daran sollten andere Parteien sich ein Beispiel nehmen. □ München. 1. Febr. Unter der Ueberschrift „Ein akademisch gebildeter Antisemit" berichtet das „Münchener