Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Königsberg i. Pr.
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 107 über einer jüdischen Bevölkerung, die kaum 2 % der Gesamtbevölkerung ausmacht. Eine in Frankfurt a. M. gemachte ähnliche Aufstellung ergibt einen noch größeren Anteil der Juden an der öffentlichen Wohltätigkeit, abgesehen von manchen Geldopfern, die der einzelne deutsche Jude im Interesse der Gesamtheit sich auferlegt. Die Veröffentlichung der hiesigen Zusammenstellung hat deshalb keinen Zweck, weil mit gewissen Dingen die Götter selbst vergebens kämpfen. Aus demselben Grunde lohnt es kaum, die vollständig unbegründete Behauptung der „Kreuzzeitung" zu widerlegen, daß in den russischen Ostseeprovinzen jüdische Revolutionäre zur Zerstörung deutschen Eigentums aufgereizt hätten. Die empörten lettischen Bauern, die in den Ostseeprovinzen gesengt und gemordet haben, waren nicht die Leute, auf welche Juden irgend welchen guten oder bösen Einfluß ausüben konnten. Die an Zahl sehr geringe jüdische Bevölkerung der Ostseeprovinzen hat weit eher Grund, die Revolutionäre zu fürchten und infolge der Zerstörungen auf dem flachen Lande schon sehr schwere Verluste zu beklagen. — In der Stadtverordnetenversammlung wurde über die Petition des hier kürzlich gegründeten „Jüdischen Turnvereins", ihm städtische Turnhallen gegen Miete zur Verfügung zu stellen, zur Tagesordnung übergegangen. Maßgebend für diesen Beschluß war die Erwägung, daß dem Eintritt der Mitglieder des jüdischen Turnvereins in die hier sonst bestehenden Turnvereine nichts entgegenstehe und daß die Begründung eines konfessionellen Vereins nicht geeignet sei, das hier bestehende Einvernehmen der verschiedenen Konfessionen zu fördern. 0 Cöln a. Rh., 2. Februar. Die „Köln. Ztg." veröffentlichte eine Zuschrift des Geh. Kommerzienrats Goldberger in Berlin, der sich als Vorsitzender der deutschen Konferenz-Gemeinschaft der „Alliance Israelite Universelle“ gegen den Bericht aus Tanger wendet, der die Behauptung enthält, daß eine Förderung französischer Interessen in Marokko aus Beiträgen der „Alliance Israelite Universelle“ betrieben werde, von denen „ein sehr großer Prozentsatz" aus Deutschland, von deutschen Juden alljährlich stamme. Deutsche Interessen würden durch deutsches Geld geradezu geschädigt; es sei eine einseitige Bevorzugung französischer Interessen, „wenn derjenigen Bevölkerungsklasse Marokkos, die auf Jahrhunderte hinaus das kaufmännische Vermittlungsglied bilden wird, den Juden, mit deutscher Hülfe den