Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Posen
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 106 (sequence 2)
- Language
- German
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106 Im deutschen Reich. der jüdischen Geschworenen, die auf die Liste der einzelnen Schwurgerichts-Perioden kommen, immer geringer wird. Und es ist nicht nur in jüdischen Kreisen ausgefallen, daß die Liste der ersten diesjährigen Session unter ca. 30 Namen auch nicht einen Juden aufwies. Es ist selbstverständlich, daß ich und andere jüdische Mitbürger des Ausschusses über diese auffallende und beklagenswerte Erscheinung häufig interpelliert werden, und man könnte vielleicht glauben, daß die Mitglieder des Ausschusses nicht sorgfältig genug arbeiten. Dies ist aber, wie ich schon bemerkte, keineswegs der Fall. Der Ausschuß präsentiert eine möglichst vollständige Liste. Die Lücken werden erst in einem späteren Stadium hineingerissen. So glauben die jüdischen Mitbürger, daß sie auch auf diesem Gebiete hintangesetzt werden, und weitere Volkskreise müssen zu der gewiß unberechtigten Meinung kommen, daß Juden zu Geschworenen ungeeignet sind. Dies ist das bedauerliche Ergebnis. Der Posener Ausschuß wird sicher nach wie vor unbefangen seine Pflicht tun. Möchten die Justizbehörden aber dafür sorgen, daß das beklemmende Gefühl verletzender Behandlung von den jüdischen Bürgern genommen werde!" — Unter Bravorufen aus der Mitte der Versammlung endete die Rede. o7‘ Königsberg u Pr., 2. Februar. In einem Artikel der „Kreuzzeitung" sind die zugunsten der russischen Juden in Deutschland aufgebrachten 23/10 Millionen mit den für die geschädigten Deutschen in Rußland aufgebrachten 134 000 Mk. verglichen und ist daran eine Bemerkung über eine angebliche Aufsaugung des beweglichen Kapitals durch die Juden geknüpft worden. Dies wird hier als eine Leistung betrachtet, durch welche die radikale antisemitische Presse übertrumpft werden soll. Daß der deutsche Jude für die Deutschen im Auslande nichts, alles dagegen für nichtdeutsche Juden, auch wenn sie deutsch - feindlich oder revolutionär sind, übrig hat, ist eine Behauptung, um die Pückler und Ahlwardt die KreuZZeitung beneiden dürften. Eine Veröffentlichung der Beträge, welche deutsche Juden, abgesehen von besonderen jüdischen Einrichtungen, für allgemeineWohltütigkeitszweckeleisten,würde das Gegenteil jener boshaften Bemerkung haarklein beweisen. Eine hier in Königsberg gemachte Aufstellung ergibt einen Anteil der Juden von 14,5 % der jüdischen Wohltätigkeitsbeiträge gegen-