Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Beuthen
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 105 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 105 versuchte Herr B. den Beamten durch Zeichen auf die Anwesenheit des Juden aufmerksam zu machen. Der über seinem Buch beschäftigte Beamte bemerkte hiervon nichts und wiederholte seine Aeußerung noch einmal. Jetzt meldete sich aber unser jüdischer Mitbürger selbst und erklärte laut: „Hier ist auch ein Jude." Der sehr verdutzte Beamte machte ein recht langes Gesicht und hielt es doch für angebracht, sich zu entschuldigen- In dem Büreau ist eine größere Anzahl jüngerer Beamten tätig, auf welche das schöne Beispiel sehr erzieherisch wirken muß. # Posen, 8. Februar. Ms Vertrauensmänner zur Auswahl der Schössen und Geschworenen für 1907 wurden in der gestrigen Stadtveroröneten-S itzung die bisherigen Herren, unter ihnen Herr Rechtsanwalt Kirschner, wiedergewählt. Herr Kirschner nahm darauf das Wort zu folgender Rede: „Ich kann die auf mich gefallene Wahl nur mit schwerem Herzen annehmen. Keine Arbeit ist so unangenehm wie die nutzlose. In dem Ausschuß zur Wahl der Schöffen und Geschworenen, in den Sie mich schon seit einigen Jahren deputieren, werden mit großer Mühe und strengster Objektivität ohne Ansehen der politischen, nationalen oder konfessionellen Stellung alle die Personen zu Geschworenen vorgeschlagen, die nach ihrem Charakter und ihrer Intelligenz geeignet erscheinen. Jedes Ausschußmitglied, auch der mitwirkende Vertreter der Staatsverwaltung, bemühen sich in gleicher, unbefangener Weise. Zu den vorgeschlagenen Personen gehören selbstverständlich neben Protestanten und Katholiken auch eine große Anzahl jüdischer Bürger. Umfaßt doch der Landgerichtsbezirk außer der Großstadt Posen noch eine ganze Anzahl Städte, wie Schwersenz, Schrimm, Schroda, Rogasen, Gostpn, Wronke, Stenschewo, Obornik, Pinne, Samter, in denen geeignete jüdische Elemente zahlreich vertreten sind. Aber von dieser erheblichen Schar von Kandidaten bleibt merkwürdig wenig übrig, wenn die höhere Instanz ihre nachprüsende Tätigkeit entwickelt hat. Sie. wissen ja, daß die Geschworenen nach einem gewissen Filtrierspstem ausgewählt werden. Erst die Urliste der Gemeindevorftände, dann die Vorschlagsliste des Ausschusses, hernach die vorsichtig gesiebte Jahresliste des Landgerichtspräsidiums, endlich die ausgelooste Liste für die einzelne Periode. Die jüdischen Bürger beobachten es mit steigendem Unwillen, wie die Zahl