Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- C. St., Hamburg
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 58 (sequence 2)
- Language
- German
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58 Im deutschen Reich. die Firma an die richtige Adresse geraten war und somit eine Brandmarkung erfolgen konnte." — Es schien uns im hohen Grade unwahrscheinlich, daß ein jüdischer Chemiker einen solchen Vorwurf aus sich geladen haben sollte. Wir haben deshalb genaue Erkundigungen eingezogen und erfahren, daß die chemische Fabrik, die Herr Schauman-Mühlheim genannt oder gemeint hat, nicht in Wertha, sondern in Wutha liegt, daß ein Dr. SLernberg nur wenige Wochen Teilhaber der betreffenden Firma war und sicher nicht Zur Zeit der Absendung jenes Brieses derselben angehörte, daß aber dieser Dr. Sternberg, nach Bekundung des Gemeindevorstandes in Wutha, Christ ist. Die Notiz des Hamburger „Deutschen Blattes" ist also von A. bis Z. „er—duftet und ersonnen!" B. (£.r Stuttgart. Die Spende von 50 Mk., die der Bischof von Rottenburg dem Rabbiner von Möhringen für die Familien der verwundeten und beraubten Juden in Rußland zugehen ließ, ist mit Genugtuung zu begrüßen, weil dem Bischof kürzlich antisemitische Gesinnungen nachgesagt wurden, die er in seinem Buche „Aus Kunst und Leben" unter dem Titel „Helgoland' kundgegeben haben soll. Mchrrschau. Entschwindende Gestalten. Erzählungen aus dem rheinischen Gemeinde- und Familienleben von Arthur Kahn. Frankfurt a. M., I. Kauffmann. Wenn auch die allgemeine Litteratur- und Kulturgeschichte über so manche Leistung des Judentums achtlos hinweggeht, so hat sich doch die Ghetronovelle einen ehrenvollen Platz in der Litteratur erobert. Franzos, Kompert, S. Kohn u. a. sind auch dem litteraturkundigen Nichtjuden nicht unbekannt als Schilderer jüdischen Lebens, wie es sich in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Böhmen, Mähren und Podolien abgespielt hat. Ein Schriftsteller, der aus Wahrheit und Dichtung ein Bild des jüdischen Lebens dieser Zeit auf deutschem Boden gewoben hätte, hat bisher gefehlt. Arthur Kahn gebührt das Verdienst, diese Lücke ausgefüllt zu haben. Kahn ist ein geborener Rheinländer. Die Lust, nicht aus staubigen Folianten, sondern aus eigener Anschauung Welt und