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Im deutschen Reich · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. 57

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Th. S., Königsberg
Date
1906-01-01
Page
57 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 07 mit all seinen Hnnnenschrecken das unglückliche Land." — Wäre die Sache nicht so unendlich traurig, man wäre versucht, die Klagen der antisemitischen Presse komisch .zu finden, denn die von ihr mit Recht bemitleideten Balten erleiden im Grunde doch nur dasselbe von den Letten, was den Juden von den Antisemiten widerfahren ist. G- M., Hamburg. Die uns von Ihnen eingesandte Postkarte, durch welche Herr L. Höhn, Neuer Steinweg 29 I, fein dortiges Schneidergeschäst empfiehlt, ist, wie Sie uns selbst Mitteilen, Ihnen nicht auf postalischem Wege Zugegangen, sondern auf dem Hamburger Dom behändigt worden. Die Reichspost würde aller Wahrscheinlichkeit nach eine solche Postkarte kaum befördert haben. Daß zur Hochzeit einer Rabbinerstochter zu einem Geschenke Sinnsprüche mit den Einleitungsworten „Jesus sprach" sowie „Und Jesus sprach" jemals gewühlt worden seien, halten Sie doch wohl selbst für ausgeschlossen. Wenn eine christliche Polizeibehörde gegen die an „groben Unfug" streifende Verbreitung einer solchen Reklame-Karte kein Bedenken trägt, brauchen wir uns über dieselbe nicht aufzuregen. C. St., Hamburg. Das dort erscheinende antisemitische „Deutsche Blatt" hat am 2. v. Mts. eine Notiz aus Duisburg veröffentlicht, wonach in der daselbst abgehaltenen Versammlung des rheinisch-westfälischen Bezirksverbands deutscher Färbereibesitzer ein Brief der chemischen Fabrik Wertha bei Eisenach (Dr. Sternberg) verlesen wurde, worin dem Berbandsoorsitzenden Schaumann in Mülheim für einen zu veranlassenden größeren Abschluß für den Verband in einem chemischen Produkt eine bare Vergütung angeboren wurde. An diesem Bericht knüpft das Hamburger Antisemitenblait folgende Bemerkung: „Dr. Sternberg ist Jude, und aus diesem unverschämten Angebot, das sowohl vom Vorsitzenden, wie von der Versammlung in der nötigen Weise gekennzeichnet wurde, mag man ermessen, wieweit sich heute die Bestechung von jüdischer, wie auch von anderer Seite heranwagt. Daß man es in dieser frechen Form wagt, läßt mir einer Sicherheit darauf schließen, daß diese jüdische Firma derartige Versuche mit Erfolg schon anderweit unternommen hat. Welche Gefahr hierin für den kaufmännischen Handelsverkehr liegt und wie dadurch eine Korruption im geschäftlichen Leben eintritt, wird Jeder einsehen, der noch etwas auf Reellität hält. Erfreulich ist es aber, daß

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