Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- L. P., Breslau
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 56 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Jin deutschen Reich. konservative!: Lesern schon die Gefälligkeit erweisen, das von der öffentlichen Meinung verurteilte Kommerslied der „christlichen Referendare" in Schutz zu nehmen. Das Blättchen kann sich aber beruhigen; jenes Lied ist nicht nur auf die „orientalischen Nerven" gefallen. Wie die „Breslauer Ztg." erfahren hat, ist der Oberlandesgerichtsrat Ackermann in Breslau mit der disziplinarischen Voruntersuchung betraut. Das Verfahren richtet sich gegen den Landgerichtsrat Hoffmann als den vermeintlichen Verfasser des Liedes und eventuell auch gegen den Bereinsvorstand. Daß die Redaktion der „Schlesischen Morgenzeitung" sich an den verdrehten Auslassungen des Deckoffiziers a. D. Hans von Mosch über die Revolution in Rußland erbaut und sie als einen „Blick hinter die Kulissen" bezeichnet hat, ist charakteristisch. Einzelne aristokratische Leser der „Schlesischen MorgenZeitung", wohl auch einige antisemitische „Referendare", werden sich wohl anderer „Blicke hinter die Kulissen" entsinnen, die vergnüglicher waren. Die Begeisterung für den sonst phlegmatischen russischen Bauern, der „den Juden mit der Holzaxt den Schädel einschlügt," zeigt immerhin deutlich, auf welcher Kulturstufe Hans von Mosch und die Redaktion der „Schlesischen Mo'rgenzeitung" stehen. Eine feine Gesellschaft! Th. S., Königsberg. Ein gewisser Victor von Friede schreibt in dem hiesigen Antisemitenblatt über den Rassenkampf in den baltischen Provinzen: „Man fragt nach Gründen für diese wild entfesselte Volkswut, diesen geradezu infernalischen Haß. Sollte der Balte sich irgend einer Schuld bewußt sein, die diesen Haß und diese Wut hätte erregen können? Nein und abermals nein! Stimmen, die in diesem Sinne lautgeworden sind, reden bewußt oder unbewußt die Unwahrheit oder geben zum mindesten Zeugnis von einer völligen Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Woher also dieser Haß? Er ist der Ausdruck des wütenden Neides, eines Hasses, der obendrein systematisch seit fast einem Menschenalter geschürt und genährt worden. In unzähligen Schriften und in den Vereinen wurde immer lauter und frecher geschrien, das Land sei Eigentum des lettischen Volkes und die frechen Eindringlinge müßten es herausgeben. Man schwur den verhaßten unschuldigen Wohltätern Tod und Verderben. Bei der ersten Gelegenheit schlug die unter der Asche glimmernde Glut zur hellen Flamme der Empörung auf und durchzieht nun