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Im deutschen Reich · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. 47

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Dresden
Date
1906-01-01
Page
47 (sequence 2)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 47 hiesigen Lehrerverein einen Vortrag über „Professor Lazarus und die Begründung der Völkerpsychologie" unter lebhaftem Beifall gehalten hat. Unter den Zuhörern befand sich die zum Judentum übergetretene Witwe des durch den Vortrag geehrten Professors vr. Lazarus. Der Vortragende hob hervor, daß der 1824 als Sohn eines armen Juden geborene Moritz Lazarus als Aufgabe der von ihm begründeten Völkerpsychologie die Erfassung der Menschheit als Einheit und die Erforschung des Geistes dieser Gesamtheit erkannt habe. In langjähriger Wirksamkeit habe er seine Ideen verbreitet und seine Gedanken über Nationalismus seien schließlich so sehr Allgemeingut nicht nur der Deutschen geworden, daß man vergessen habe, wem man sie verdanke. Daran sächsische Lehrer erinnert zu haben, muß Herrn Dr. Leicht als besonderes Verdienst angerechnet^werden. Ueremsrrachrrchterr. WLei der am 14. v. Mts. abgehaltenen allgemeinen Versammlung des Central-Bereins war der große Saal des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde", Berlin W., Potsdamerstraße 9, wiederum bis aus den letzten Platz gefüllt. Herr Justizrat Dr. M. Loevinson eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Begrüßungsansprache und erteilte dann Herrn Rabbiner Dr. Jacob aus Göttingen das Wort zu einem Vortrage über das Thema „Der christliche Staat". Der Redner leitete seine tiefgründigen Ausführungen mit dem Hinweis daraus ein, daß bei dem Kamps um die Gleichberechtigung der Juden ein so langandauernder Widerstand geleistet wurde, weil eine mächtige und sortwirkende Idee dem Widerstand als Grundlage diente, der Gedanke des „christlichen Staates". Dieser Gedanke habe dem ursprünglichen Christentum völlig serngelegen, das nur ein Reich Gottes erstreben wollte, das nicht von dieser Welt wäre, aus Aenderung des irdischen Staates aber völlig verzichtete und sich jeder Obrigkeit willig zu fügen erklärte, so weit nicht die Pflicht vorlag, Gott mehr als den Menschen zu gehorchen, daher denn zahlreiche Märtyrer in der ersten ruhmvollsten Epoche

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