Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Wongrowitz
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 43 (sequence 2)
- Language
- German
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srorreiponoenzen. 43 Die Praxis, für bestimmte Zwecke Beschuldigungen gegen die Juden zu schleudern, ist nicht neu. Jndeß halten wir es üir unsere Pflicht, derartigen allgemeinen, unbewiesenen Verdächtigungen entgegenzutreten. Es liegt uns fern, solche Vorkommnisse ganz bestreiten zu wollen, möchten aber doch Herrn Probst Zoch fragen: „Wo ist das Volk ohne Fehl und Tadel, bei dem im Handel und Wandel kein Uebel vorkommt? Steht denn die Geschäftsmoral im eigenen Lager durchweg auf höherem Niveau? Warum den Juden in der Allgemeinheit zum Vorwurf machen, was hier und da ein Einzelner begeht?" Wir haben derartige Bezichtigungen von unseren polnischen Mitbürgern im Orte, mit denen wir bislang in gegenseitiger Dichtung verkehren, zum gemeinsamen Vorteil in gegenseitigem friedlichen Geschäftsverkehr stehen, noch nie gehört. Sie würden auch nicht angebracht sein, weil wir räudige Schafe auch auf der andern Seite zu gleicher Zahl bezeichnen könnten. Warum also den Frieden stören? Wohin aber ungerechtfertigtes Herabwtzen von Bevölkerungsklassen in ihrer Gesamtheit, besonders aus dem autoritativem Munde des Priesters führen kann, haben die grausen Vorgänge im Nachbarstaate gezeigt. . Wongrowitz, den 15. Dezember 1905. D. Freudenthal, Rentier. I. Förder. L. Diode. I. Becher. R. Lewin. S. Brodziak. — Pyritz, 1. Januar. Das „Pyritzer Kreisblatt" berichtet: .Zu der als „Generalversammlung" angekündigten Zusammenkunft von Mitgliedern des Ppritzer landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsvereins, die am 20. vor. Mts. in Plaths Nonzerthaus stattfand, hatten sich etwa 20 Mann eingefunden. Die erste Tat, die Herr Krösell in Szene setzte, war der Anschluß des Herrn Rechtsanwalts S erg er, welcher als Vertreter des Herrn Justizrats Aulig an der Zusammenkunft teilnehmen wollte und dazu auch berechtigt war/' — Wer sich der Vorgänge aus der Zeit-erinnert, in der die Konservativen, unter ihnen Herr /ustizrat Aulig, dem Ritualmord-Märchen-Erzähler zu seinem Neichstagsmandat verhalfen, muß die jetzige Sachlage entschieden komisch finden. X Kattowitz, 2. Januar. Die „Kattowitzer Zeitung" ver- --eift darauf, daß selbst Blätter, die nichts weniger als judena eundlich sind, die Kundgebungen des extremsten Antisemitismus,