Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- A. St. Hamburg
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 674 (sequence 2)
- Language
- German
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674 Zm deutschen Reich. Namen wie Stumm, Krupps Thiele-Winkler usw. Verschiedentlich find Beziehungen dem Kaiser verdacht worden und sie haben auch nicht immer denjenigen Ausgang genommen, der wünschenswert gewesen wäre. Ob es überhaupt zweckmäßig erscheint, daß die Krone unter Umgehung der konstitutionlüen Instanzen sich über wirtschaftliche Vorgänge direkt informiert, muß eine offene Frage bleiben." — Dummdreister hat wohl noch kaum jemand unfern: Kaiser Vorschriften über seine Beziehungen zu hervorragenden Industriellen gemacht, die jedenfalls von besserem Geschmack Zeugen, als wenn er den Grasen Pückler und ftinen früheren Jmpresfano Bruhn zu Vertrauten machte. Uebngens würde auch Herr Bruhn nichts gegen den Umgang mit dem genialen Leiter der Hamburg-Amerika-Linie haben, wenn sein Blatt „Wahcheit" die regelmäßigen einträglichen Inserate der Hamburg- Amerika Linie erhielte, die ihm als Herausgeber der „Staatsbürger- Zeitung" so willkommen waren. Vielleicht hat das jetzige „Anrempeln^ nur den Zweck, jene Inserate zu erhalten, denn „die Gilde der verschmitzten antisemitischen Zeitung-Verleger sollen in der Wahl'ihrer Mittel, gutbezahlte Anzeigen zu erlangen,* auch nicht gerade „wählerisch" sein! D. ©«, Chemnitz. Wie weit die Wahlreform-Kundgebungen dort und in Dresden eine politische Bedeutung haben, läßt sich noch nicht übersehen. Daß das Antisemiten - Regiment in der Dresdener Stadtverordneten-Versammlung brüchig geworden ist, scheint zweifellos. Viel haben dazu die Zerwürfniffe unter den Reformern beigetragen. Unter der Ueberschrift „Antisemiten unter sich" berichtet der „Vorwärts": „Der stellvertretende Vorsteher des Dresdener StadtverordneteN'Kollcgiums, Rechtsanwalt Dr. Haeckel, Mitglied der Reformvartei, hat gegen seinen politischen Gesinnungsgenossen, den Stadtrat Baumeister Hartwig, Reichstagsabgeordnete a. D-, vordem Dresdener Schöffengericht einen Beleidigung-Prozeß anhängig gemacht. Hartwig strengte Widerklage an. Den Anlaß zu dem Prozeß zwischen den ehemals sehr befreundeten Reformern gaben Preßartikel, in denen Hartwig behauptete, Dr. Haeckel sei ein taktloser, schimpfender, nur durch Protektion seiner Gesinnungsgenossen zum Vorsteher-Stellvertreter gewählter Herr usw. Du. Haeckel gab in einer Erwiderung seiner Ansicht Ausdruck, Hartwig fehle die Würdigkeit zur Bekleidung eines Stadt; atsamts. Das Schöffengericht verurteilte Hartwig zu 300 Mk. Geldstrafe und wies seine Widerklage ab."