Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- M. P., Altona
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 673 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 673 eigenen Vaterlande zu beschönigen, dann kann man es allerdings dem frommen aristrokratischen Blatte nicht so schwer ankreiden, daß cs mit dem russischen Mördergefmdel sympathisiert. Es hat sozusagen ein historisches Recht daraus." — Von diesem Rechte macht die „Kreuzzeitulrg" den weitgehendsten Gebrauch! A. St. Hamburg. In der Börsen-Chronik der Bruhmschen Zeitschrift „Die Wahrheit" befand sich am 25. November eine Notiz „PacketfahrL contra Lloyd", in der der von Herrn Bruhn wahrsch inlich Zu Ausfällen gegen Herrn Ballin angeregte Berichterstatter das Menschenmöglichste leistete, um die Zufriedenheit des Hcrausg bers Zu erwerben. Er schreibt: „Man rühmt Herrn Ballin nach, nicht nur ein tüchtiger Geschäftsmann im allgemeingültigen Sinne Zu sein, sondern, auch jener Gilde verschmitzter Kausleute anzugehören, die weder in der Wahl ihrer Mittel wählerisch sind, noch irgend einen Versteh gegebenenfalls scheuen, ihren Gegner zur Strecke Zu bringen. Im kaufmännischen Leben ist und bleibt der Erfolg alles, und man ist zudem es gewöhnt, die erfolggekrönten Macher mit einem sehr milden Maßstabe Zu messen. Der Lloyd stellte seine Schiffe in den Dienst des nationalen Interesses und unter großen pekuniären Opfern hat die Bremer Lime einen umfassenden Postdampferdienst für das deutsche Reich auf den Weltmeeren unterhalten. Der Hamburger Patriot, der persona §rata bei Hofe ist und dem man nachrühmt, ein bewährter Ratgeber der höchsten Stellen Zu sein, hat sich bislang gehütet, gleich patriotische Experimente-zu unternehmen, wie dies seit ns des Lloyd geschahen ist. Patriotismus in diesem Sinne existiert nicht in dem Lexikon des kosmopolitischen Geschäftsmannes am Alsterstrand. Für ihn sind die Reichssarben lediglich ein Dekorum und müssen dazu herhalten, die Kaffen der Paketsahrt zu füllen. In der Oeffenilichkeit hat obendrein Herr Ballin nichts unversucht gUaffen, seine Persönlichkeit möglichst dicht au die Rampe zu bringen, mit dem klaren Endzweck, auch hier den Lloydleuten den Weg zu verlegen. Es ist daher ein talmudisches Verdrehungsstück, wie man in der Praxis erst noch seines gleichen suchen soll, wenn sich jetzt die Paketfahrtgesevschaft über unlautere Konkurrenz beklagt. Herr Ballin ist zum Kaiser nach Kiel gereist, um dem Monarchen seine Beschwerde ob des Lloyd persönlich vorzutragen. Man steht daraus, das diejenigen nicht ganz Unrecht haben, welche behaupten, daß der Einfluß des Herrn Ballin größer sei, als man gemeinhin annimmt. Die Vorliebe des Kaisers für die Txäger populärer Namen des Handels und der Industrie ist zudem ja genügend bekannt, wir erinnern nur an