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Im deutschen Reich · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. 663

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
München
Date
1905-12-01
Page
663 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 663 Versammlung auf, dem Bielohla.weck ein Hoch auszubringen. — In den beiden städtischen Kollegien sitzt bekanntlich nur ein Jude, d. i. .der Magistmtsrat Lebrecht. Und darum Räuber und Mörder! — Was das „Bayrische Vaterland'' in der Aufreizung gegen die Inden leistete, war geradezu haarsträubend und noch ärger ist es, daß derartiges straf:os bleibt. Da bei den Münchener Judenfeinden eine solche Sprache an der Tagesordnung ist, ist es begreiflich, wenn auch keineswegs entschuldbar, wenn aus den groben Klotz einmal ein grober Keil fällt! Das ist bedauerlicher Weise auch geschehen. In einer zionistischen Versammlung in den hiesigen Zentralsälen soll ein Student in seiner Erregung über die Judenmetzeleien in Rußland den Wunsch ausgedrückt haben, daß für jeden in Rußland gemordeten Juden ein Judenfeind geopfert würde. Das ist natürlich Wasser auf die Mühle des antisemitischen Blattes „Bayerisches Vaterland", das sich anstellt, als ob es ernstlich daran glaube, daß j'ne von jüdischer Seite mit dem größten Unwillen aufgenommenen Worte irgend einen bedrohlichen Sinn hätten. Nicht jenes unbedachte Zorneswort, sondern der liberale Ausfall der Münchener Gememdewahlen (gewählt wurden 14 Liberale, 8 Sozialdemokraten und nur 1 Zentrumsmann) ist es, der dem Antisemitenblatt zu dem rohen Wutausbruch Anlaß gibt: „Soweit sind wir nun durch unsere Toleranz und unsere sträfliche Gleichgültigkeit gekommen, daß die (Schriften in München ihres Lebens nicht mehr sicher sind. In dem schäbigsten Judenneste Galiziens und der Polakei dürfte das jüdische Gesindel kaum kecker und frecher sein lausiges Haupt erheben, als in der von Judenknechten regierten Kunst- und Dunststadt München. Hat man denn überall die Ohren so verstopft, daß nicht einmal mehr das schreckliche Wort „Mord" durchdrmgt?" — Auf denkende Menschen übt hier diese Sprache keine Wirkung mehr aus. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" schreiben: „Das Zentrum und seine ehrenwerte und charaktervolle Gefolgschaft führt den Gemeindewahlkampf nicht nur mit den Mitteln der haltlosen Verdächtigungen, persönlichen Verleumdungen und Verdrehungen der Tatsachen, sondern geradezu mit staatsgefährlichen Mitteln. Zunächst will man den Antisemitismus der schlimmsten Ausgabe, wie er in Wien bei gänzlich verschiedenen Voraussetzungen am Ende noch begreiflich erscheinen mag, nach München verpflanzen und eine Judenhetze inszenieren, deren Endziele wir in Rußland mit Schrecken verwirklicht sehen. So schreibt eines der antisemitisch-konservativen Zentrumsblätter: „Der Ruf nach Christenmord ist bereits laut in Münchens Mauern erschoüm und, mögen sie es leugnen oder nicht, in sehr vielen Judenherzen hat

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