Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- Ratibor
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 658 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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658 Im deutschen Reich. lichkeit Hohn sprechenden Gewalttätigkeiten muffen jeden gesitteten Menschen mit Abscheu und Entrüstung erfüllen. Unbeschreibliches Elend ist durch diese Greuel unter Ihren Glaubensgenossen ungerichtet worden., und wir teilen aus vollem Herzen Ihre Betrübnis. Dem vornehmsten Gebote der Freimaurerei folgend, dem Nächsten ohne Unterschied des Glaubens zu Helsen und beizustehea, will auch die hiesige Freimaurerloge ein Scherflein zur Linderung des Jammers beisteuern und bittet Sie, beifolgenden Betrag annehmen zu wollend chh Pyritz, 2. Dezemder. Gegen den antisemitischen Reichstagsabgeordneteu, Pastor a. D. Karl Friedrich Wilhelm Krösell, geb. am 3. Mai 1865 in Pyritz, war Vor etwa 14 Tagen von der Stargarder Strafkammer ein Haftbefehl erlassen, weil er Zu einem von dieser anberaumten Termine wegen Beleidigung des Staarsanwalts von Bredow nicht erschienen war. Angeblich hatte er aus Gesundheitsrücksichten unter Vorlegung eines ärztlichen Zeugmffes um Terminverlegung gebeten. Ein Physiraksatteft scheint er nicht vorgelegt zu haben, er hat sich vielmehr ins Ausland begeben, so daß die Behörden den Haftbefehl nicht ausführen konnten und einen Steckbrief erlassen mußten. „Unter diesen Umständen" lfo bemerkte selbst die antisemitische „Staatebürgerzei-ung*) ist das Verfahren des Abg. Krösell geradezu unverständlich und in hohem Matze tadelnswert, falls er nicht nachträglich noch eine befriedigende und hinreichend begründete Aufklärung zu geben vermag. Wie sich sein Verfahren bis jetzt darstellt, entspricht es nicht den Pflichten eines Staatsbürgers und nicht der Würde eines Abgeordneten. Der Abgeordnete steht unter dem Gefltz und nicht außerhalb des Gesetzes?' Wenige Tage später widerrief die konsequent „inksnsequente^ ^Staatsbürger Zig." diese Erklärung auf Grund von Aufklärungen, die ihr Herr Krösell bei einem Besuche in der Redaktion persönlich gegeben hat, und meinte, daß ihn danach m diesem ganzen Handel ein Vorwurf nicht treffe. Der Abgeordnete Krösell habe nach Eckaß des Steckbriefes, da er sich nicht als fluchtverdächtiz erachten konnte, Beschwerde ixh<x die Stargarder SLaatsanwÄtschafL beim Ober^aatsanwalt in Stettin uu? beim Justizminifter erhoben, und damit die Zurücknahme des Steck - briefs erlangt. Auf Grund dieses Tatbestandes sei das Verhalten des Pastors Krösell als sachgemäß zu erachten. Ein tadelnwertcs hatten liege an irgend einer anderen Stelle, über die demnächst wohl weitere Klärung erfolgen dürfte. — Das „Pyritzer Kreisblatt" crklärie darauf am 2. Dezember, Krösell habe in seinen Darlegungen die ganze Sacke direkt auf den Kopf gestellt. Es iet eine systematische Irreführung der öffentlichen Meinung, daß er durch irgend eine Be-