Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- Judenmission
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 631 (sequence 2)
- Language
- German
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Judenmission. zur Bibelstunde", wie sie im „Christlichen Verein für Frauen und Mädchen" am Schöneberger Ufer allmonatlich stattfindet, heißt es, daß die Bibelstunden jüdischen und christlichen Damen dazu dienen sollen, das Juden und Christen gleich teure Buch des Gesetzes Mose und der Propheten in seiner Schönheit und Tiefe Zu erschließen. In einer andern solchen Eir Ladung Zu einer der allmonatlich in einem Saale der Hohen staust nstraße fiatrfindendcn Bibelstunden wurde verheißen, es solle „der Prophetenabschnitt (die H^ftarab) in Verbindung mit dem betreffenden Abschnitt in den fünf Büchern Mose der synagogalen Sabbathlekrion (parascha oder sedra) für Juden und Christen" behandelt werden. Einer unserer Freunde, der dieser Einladung Folge leistete, schildert uns den Verlaus der von dem Herrn Prediger N. Rudmtzky abgehaltenen Brbelstunde wie folgt: „Der Prophetenabschnitt wird vollständig verlesen, der Inhalt des Wochenabschnitts aus dem Pentateuch in großen Zügen wiedergegeben und dre Zusammengehörigkeit beider durch vergleichende Schriftverse dargetan. Bei der Wiedergabe des Wochenabschnitts werden in beredten Worten die Charaktereigenschaften des Stammvaters Abraham, sein GoLLverLrauen, seine Glaubenstreue, Friedensliebe, seine Abneigung gegen Vermehrung seines Besitzes, sowie die unweigerliche Ausführung göttlicher Gebote besp-ochen. Diesen einwandfreien Ausführungen folgt die ganz anders gestaltete Erklärung des P cphetenabsbnittes Jesam 40, 17: „Warum sprichst du, o Jakob, und redest, o Israel: Verhüllt ist mein Weg vor dem Ewigen und an meinem Gott geht mein Recht verloren?" Der Redner stellt aus der „Haftarah" drei Punk e fest: „Gott ist der Schöpfer der Wttt, der Schöpfer Israels und sein Erlöser." Sich eingehend mit dem Eriösungswerk b> schuftigerd. kommt er zu dem offenbaren Endzweck seines Vortrages, der Verwunderung darüber, daß Israel nicht cinsehen wolle, daß sein Erlöser bereits gekommen sei, Zu dem es sich nur zu bekennen brauche, um nicht mehr sagen zu muffen: „Verhallt ist mein Weg" usw. Und so schließt die Bckelstunde mit der Aufforderung an die zum größten Teile aus Frauen bestehende Versammlung, Zu beten, daß sich die Andersgläubigen baldigst Zu dem Erlöser bekehren möchten". Das ist also die alte bekannte Seelenfängerei, meist von entgleisten früheren Talmudschülern betrieben, die an hebräische Schriftsteller; Md jüdische Gebräuche anzuknüpfen pstegen, um harmlose