Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- M. C., Posen
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 618 (sequence 1)
- Language
- German
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618- Im deutschen Reich. M. <£., Posen. Daß die nichtjüdischen Gutsbesitzer in den Ostmarken, die ihren Besitz um hohen Preis entweder an die Ansiedelungs-Kommission oder an die Agenten der Polen veräußern, bezw. versteigern, den Einfluß des Ostmarken - Vereins dankbarer anerkennen, als die von Polnischer und von deutscher Seite boykottierten jüdischen Aerzte, Rechtsanwälte und Geschäftsinhaber, steht zwar nicht fest, scheint aber begreiflich. Im deutschen Interesse ist der „Exodus" der verarmenden Juden der Provinz Posen genau so bedauerlich, wie derjenige der durch günstige Verkäufe in Rentiers verwandelten christlichen Gutsbesitzer. Die Entäußerungskrankheit greift so um sich, daß sie sogar selbst Kreise erfaßt, die dagegen infolge ihrer Familientradition immun sein sollten. Wie Sie im „Posener Tageblatt" lesen konnten, hat der schwäbische Besitzer Zobel aus Blumendorf bei Strelno sein 120 Morgen umfassendes Erbe für 74 000 Mark an einen Polen verkauft. Bisher hatte Blumendors, eine schwäbische Ansiedlung Friedrichs des Großen, seinen deutschen Charakter gewahrt. Jetzt aber steht dort nach der „Ostdeutschen Presse" auch noch ein zweiter Besitzer zwecks Verkaufes seines Besitzes mit einem Polen in Unter- Handlungen. Warum sollte er auch nicht dem Beispiel des Herrn Leutnant Schulz folgen, der das 1050 Morgen große Rittergut Klein-Brelenz von einem Herrn Wandtke im Juli d. I. für 220 000 Mark gekauft und jetzt an Herrn Kanski mit einem Nutzen von 2500 Mark verkauft hat? X., Hamburg. Die Notiz L. N., Kiel, hat Sie, wie Sie uns schreiben, veranlaßt, uns auf einen Artikel in der ersten Morgenausgabe der „Hamburger Nachrichten" vom 24. Oktober aufmerksam zu machen. Der Artikel „Verjudung der deutschen Realschule in Konstantinopel", der den Bildungsdrang armer Väter in halbastatischen Gegenden für ihre Heranwachsenden Kinder verhöhnt, ist offenbar nicht aus der Türkei eingesandt, sondern eigene Mache der Hamburger Redaktion und kennzeichnet deren „vornehme" Gesinnung hinreichend. Trotzdem fristet das Blatt seine Existenz fast nur noch durch Leser und Inserenten, die es ungestört verhöhnen darf, weil viele alte Hamburger Bürger jüdischen Glaubens glauben, das früher vielgelesene Blatt nicht entbehren zu können, und es auch durch Anzeigen unterstützen, trotzdem sie sich durch die Tendenz des Blattes täglich verletzt fühlen müssen. Anderswo find es nur einzelne Juden, die ihre Geschäftsinteressen zu schädigen glauben, wenn sie einem judenfeindlichen Blatte ihr Abonnement und ihre Inserate entziehen; hier aber trifft dies garnicht zu, sondern es ist fast nur die „Macht der Gewohnheit", die den „Hamburger Nachrichten" die Möglichkeit bietet, ihre treuesten Leser zu.beleidigen und zu kränken.