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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 617

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
S. L., Berlin
Date
1905-11-01
Page
617 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 617 Güterausschlachtung gehandelt haben?" berührt dies um so komischer, als diese Frage von einer Redaktion ausgeht, deren Hintermann Liebermann von Sonnenberg heißt, also einen Namen trägt, der entschieden jüdischer klingt als Trautmann! Herr Bauunternehmer Robert Trautmann in Arnstadt kann seine arische Abstammung weit eher Nachweisen, als Herr Liebermann v. Sonnenberg aus Bielcastruga, denn Trautmann ist aus Marlishausen bei Arnstadt, wo lein Vater, der früher das Schneiderhandwerk betrieb, als Gutsbefitzer lebt. D. K., Magdeburg. Die in Ihrer Stadt erscheinende antisemitische „Sachsenschau" knüpft an den Bericht über die gewiß erfreuliche Beteiligung von Vertretern königlicher und städtischer Behörden an der Einweihung der Synagoge in Zerbst die witzig sein sollende ironische Bemerkung: „Leider macht sich in dem 17 000 Seelen zählenden Zerbst immer noch der Antisemitismus unter der Decke bemerkbar. Wenn nämlich die Bedeutung und die Intelligenz der jüdischen Mitbürger richtig gewürdigt werden sollte, müßten sie den Bürgermeister und die Mehrzahl der Stadträte und Stadtverordneten aus ihren Reihen stellen, was heute leider noch nicht der Fall ist". Das geeignetste Mittel, es dahin zu bringen, wäre eine Massenverbreitung der »Sachsenschau" in Zerbst, durch deren antisemitischen Witze die Intelligenz der christlichen Bevölkerung bald so heruntergebracht werden könnte, daß man notgedrungen aus den Kreisen der intelligenten Juden die Vertreter der Stadt wählen müßte, um nicht auch deren Wohlfahrt und Ansehen herunterkommen zu lassen. S. G., Stettin. Der von dem Stolper Schwurgericht am 11. Oktober wegen Meineides und Beschimpfung der evangelischen Religion zu 20 Monaten Gefängnis verurteilte Arbeiter Isidor Edel aus Stüdnitz ist keineswegs, wie Sie irrtümlich voraussetzen, ein Jude, sondern — Katholik. Er war in eine Strafsache gegen die katholischen Arbeiter Schock und Gostomski aus Stüdnitz wegen Störung des öffentlichen Gottesdienstes in der dortigen katholischen Kapelle als Zeuge vernommen worden und hatte dabei die wiederholte Frage, ob er sich selbst an dem Unfuge beteiligt habe, unter seinem Eide verneint. Der »Bütower Anzeiger", der wohl nicht ohne Absicht den Namen „Isidor Edel" fett druckt, aber, gegen seine sonstige Gewohnheit, die Konfession des Angeklagten nicht angibt, fügt seinem Bericht hinzu: „Nur weil man den Lümmel für etwas geistesschwach hielt, kam er mit so niedriger Strafe davon". Daß die ganze Familie Edel in Stüdnitz katholisch ist, dürfte dem antisemitischen amtlichen Publikationsorgan in Bütow kaum unbekannt sein.

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