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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 609

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
Gießen
Date
1905-11-01
Page
609 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 009 seien. Das Urteil lautete auf drei Monate Gefängnis, Tragung der Kosten des Verfahrens und Publikation des Urteils. # Dresden, 3. November. In dem kürzlich hier verhandelten Strafprozesse gegen den wegen Untreue zu längerer Gefängnisstrafe verurteilten Direktor Lehleitner hatte der Staatsanwalt Romundt die Bemerkung gemacht, daß Lehleitner einer Partei angehört habe, die im Dresdener Stadtverordneten-Kollegium eine gewisse Rolle gespielt habe. In einer von der Sächsischen Resormpartei einberufenen öffentlichen Versammlung legte der antisemitische Reichstagsabgeordnete Oswald Zimmermann Protest dagegen ein, daß der Prozeß Lehleitner politisch ausgeschlachtet werde. Der Prozeß habe mit der Politik und der Partei nicht das geringste zu tun. Der sächsische Landtag werde die geeignetste Stelle sein, das Verhalten des Staatsanwalts gebührend zu kennzeichnen. Es wird dazu aber wohl nicht kommen, da es kaum schwierig sein würde, den Nachweis zu führen, daß Lehleitner in gewiffen Beziehungen zu der Resormpartei gestanden hat. + München, 2. November. Der Redakteur Leib hatte sich in feinem antisemitischen Witzblatt „Der Grobian" in einer etwas unsanften Weise mit dem hiesigen Antisemitenführer Ludwig Wenng beschäftigt, von „Wenngschen Lügenmärchen" gesprochen, ihm „wenig Charakterfestigkeit, Wahrheitsliebe und Ehrlichkeit" u. dgl. m. nachgesagt. Wenng erhob Klage; vor dem Schöffengericht München I kam aber nachstehender Vergleich zustande: „Soweit in den Artikeln des „Grobian" persönliche Angriffe gegen Wenng enthalten sind, werden sie mit dem Ausdruck des Bedauerns und mit der Versicherung, daß ein Anlaß zu persönlichen Angriffen nicht besteht, zurückgenommen; zugleich verpflichtet sich Leib, persönliche Ausfälle gegen Wenng und seine Familie künftig zu unterlassen. Der Beklagte übernimmt sämtliche Kosten." Wie der Passauer „Donau-Zeitung" aus München berichtet wird, wollen die dortigen Antisemiten nach vielen Streitigkeiten sich wieder vereinigen. Der „christlich-soziale Zentralverein für Bayern" hat beschlossen, das von der „christlich-sozialen Vereinigung" ausgearbeitete Statut anzunehmen und das Wort „zentral" aus seiner Benennung zu streichen, damit ihrem Beitritt zur „Landes"partei nichts entgegensteht. Ueber allen antisemitischen Wipfeln Münchens ist also wieder Ruh! ->2 Karlsruhe i. B., ö. November. In Sachen des antisemitischen Schildes in Oberlauchringen sind die Bemühungen der „Bereinigung Badischer Js:aeliten" bei dem Ministerium von gutem Erfolg gekrönt worden, indem dem Gastwirte Jacob Albiez ver-

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