Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Heinrich Meyer Cohn
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 588 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Im beuiföfetf AerH. hochmteressanLe Auslaffuug zu dem Thema „Aug' um Auge, Zahn um Zahn". Mit tiefgehendem Wissen ausgcstattt, entwickelte er sowohl auf orgamsatorischem als auch aus lmerarischem ^Gebiete eine reiche Tätigkeit. Aus seinen mannigfaltigen Leistungen wollen wir hier nur feine Schrift über Ehamberlains „Grundlagen des 19. Jahrhunderts"' hervorheben, in welcher er in sachlicher, aber vernichtender Kritik die ganze Hohlheit und Oberflächlichkeit dieses von so vielen bewunderten Buches klarlegte. Ueberall, wo es Arbeit zu leisten galt, war er am Platze. Er wußte, was er wollte und betrachtete es als seine Pflicht, das, was er als richtig erkannt hatte, auch Zur Verwirklichung zu bringen. Seins Person stellte er dabei stets in den Hintergrund; nur die Sache war es, die ihm am Herzen lag. Nach eben erst vollendetem fünfzigsten Lebensjahr hat der Tod feinem reichen Wirken ein Ende gemacht. Viel noch hätte er für die Sache des Judentums schaffen können. Aber das, was er gewesen, soll uns, die wir mit ihm gestrebt haben, ein heiliges Gut der Erinnerung fein, das uns stärkt und belebt, wenn wir selbst im Kampfe zu erlahmen drohen. Der jungen Generation aber wird er als ein Vorbild dastehen, als ein geistiger Führer auf dem Wege, den sie wandeln soll. So wird sich an ihm das Wort bewahrheiten: „Seinen Tod stirbt der Vollbringende siegreich, umringt von Hoffenden und Gelobenden." Edmund Frieden!ann. Kmfchim. n der Gesaintheit der Juden Hai es sich zu allen Zeiten bewährt, §5$' daß diesen ernste Prüfungen zum Heile gereichten, daß äußerer Druck nur dazu dient, ihre völlige Zersplitterung zu verhüte», daß die bedrängten Glaubensgenossen sich in den schwersten Zeiten um so inniger brüderlich zusammenschließcn. Dieses Solidaritäiszefühl, dem die jüdische Glaubensgemeinschaft ihr vieliausendjähriges Fortbestehen verdankt, hat ihren schlimmsten Gegnern solche Achtung eingeflößt, daß auf den Lippen der Judenfeinde der Bilearmfluch sich unwillkürlich in Segen verwandelte. Von Generation zu Generation hat sich dies wiederholt; im Mittelalter haben oft Verwaltungen der verarmenden