Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- L. S., Hamburg
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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HM deutschen Reich. unserm Gewährsmanne als ein „UrLeutone" mit einer Färbung ins Antisemitische bekannt ist. Daß der Ostmarken-Verein noch mehr solche, für polnische Kaufpreise empfängliche Urteutonen umfaßt, die das Werk der Anstedelungs-Kommission kreuzen — das ist der Humor in der Sache. Zu diesen „empfänglichen Naturen" zählen jedenfalls Mitglieder des Hochadels, die selbst das ärgste Antisewitenblatt nicht als „Juden" zu bezeichnen wagen würde. Wie das „Posener Tagebl." mitteilt, ist das Rittergut Alt-Strunz im Kreise Glogau, dem Fürsten Talleyrand gehörend, in diesen Tagen für den Preis von 865 000 Mk. von dem Polen v. Tucholka aus Posen erworben worden. Damit ist wieder ein größeres Besitztum aus der weiteren Umgegend von FraustcrdL in polnische Hände übergegangen. Ferner wurde kürzlich die im Kreis Groß - Wartenberg gelegene Herrschaft Offen und Hafstg, der Baronin Buddenbrock gehörige von deren Schwager, Majoratsherrn Grafen Kospoth-Briese, Kurator der Ritterakademie Liegnitz und Geh. Ober-Reg.-Rat, an den bekannten Großpolen, Biedermann für 1,100,000 Mk. verkauft. Im Kreise Groß-Wartenberg herrscht, wie dem „Berl. Tagebl." berichtet wird, große Aufregung über diesen Uebergang alten deutschen Besitzes in polnische Hand. Graf Kospoth ist preußischer Oberstleutnant a. D. und Ehrenritter des Johanniterordens. L. N., Kiel. Daß die „Hamburger Nachrichten" die stark antisemitisch gefärbten Schilderungen „aus der Bukowina" der Ostdeutschen Korrespondenz" in einer Form wieöergeben, die keinen Zweifel darüber zuläßt, daß sie jene Schilderungen für durchaus zuverlässig erachten, wundert uns nicht. Derartige Organe wie die „Hamburger Nachrichten" wirken weit antisemitischer als die wenig verbreiteten und nicht als autoritativ angesehenen antisemitischen Radaublätter und sollten deshalb von jüdischer Selte dieselbe Behandlung wie jene erfahren. Während aber die in demselben Fahrwasser segelnden Blätter, wie die „Kreuz-Ztg.", der „Reichsbote", die „Schlesische Ztg." u. a. m. nur sehr wenige jüdische Leser besitzen dürsten, soll es, wenn wir recht unterrichtet sind, dort verhältnismäßig zahlreiche Juden geben, die ohne die „Hamburger Nachrichten" nicht auskommen zu können glauben. Wunderbare Macht der Gewohnheit! Jüdische Wohltätigkeitsverbände und angesehene Glaubensgenossen werden seit einiger Zeit von einem christlichen Beamten, der sich ein „in Ehren grau gewordener Kgl. Futtermeister a. D." nennt, mit Unterstützungsgesuchen für einen jüdischen Landsmann, ein angebliches Opfer des Antisemitismus, heimgesucht. Wir raten zur Vorsicht!