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Im deutschen Reich · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. 553

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
R. K., Köln
Date
1905-10-01
Page
553 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 553 Judentum" ist von der katholischen „Germania" unter Beifügung der ironischen Glossen der „alldeutschen" „Deutschen Zeitung" wiedergegeben worden. Daß die Zeitschrift „Germania" dies nur getan hat, weil sie von jeher bestrebt war und auch jetzt noch bestrebt ist, ihren katholischen Lesern antisemitische Gesinnung einzuimpfen. scheint uns zweifellos. Indessen ist nicht zu verkennen, daß der Artikel der „Deutsch. evangelischen Korrespondenz" Behauptungen enthält, die nichts weniger als unanfechtbar sind. Es heißt darin: „Trotz der geistigen Verwandtschaft, die zwischen Katholizismus und Judentum besteht, ist dessen doch zu viel, was das jüdische Volk zu vergessen hätte, um sich Rom zu nähern. Durch seine Vergangenheit ist es auf ewige Zeiten von dem Papsttum geschieden. Es sei nur erwähnt, wie die Inquisition, namentlich in Spanien, gegen die Juden gewütet hat, sodann auch die ausgesucht schimpfliche Behandlungsweise, welche dieses Volk in der Stadt der Päpste selbst erfahren hat. Bei seinem stark ausgeprägten und sich nicht auf die Gegenwart beschränkenden Gemeinschaftsbewußtsein wird das jüdische Volk diese Mißhandlung seiner Glaubensgenossen um so weniger vergessen, als das Papsttum bestrebt ist, durch die Jesuiten den früheren Zeiten ähnliche Zustande wieder herbeizuführen und die ganze vom modernen Staatsleben genommene Entwickelung, also auch die den Juden gewährte Gleichstellung mit den christlichen Staatsbürgern, verurteilt." Diesen Behauptungen widerspricht die geschichtliche Tatsache, daß verschiedene Päpste sich in den Zeiten der schlimmsten Verfolgungen der Juden angenommen haben, daß selbst Pius IX. in den ersten Jahren seiner Regiernng ihre Stellung wesentlich verbesierte, wenn auch ihre jetzige günstige Lage in Italien erst seit dem Aushören der weltlichen Herrschaft der Päpste datiert. Wenn die Juden nicht die Fähigkeit besäßen, frühere Mißhandlungen zu vergessen, dann hätten sie auch nichtkatholischen Kreisen manches nachzutragen; ste sind aber vorzugsweise Männer der Gegenwart und der Zukunft, treue und dankbare Freunde ihrer aufrichtigen Freunde, gleichviel welcher Konfession sie angehören. Wir halten das Gedächtnis unserer Ahnen gewiß hoch, wollen aber nicht ihretwegen geschätzt sein, sondern wegen unserer eigenen Gesinnung und wegen unserer Beteiligung an allen guten Werken. L. S., Hamburg. Als Ergänzung der Ihnen im Augustheft gegebenen Auskunft teilen wir Ihnen mit, daß der frühere Besitzer von Piatrowo-Hauland, Provinz Posen, Herzberg, der seine Besitzung an einen Polen verkauft hat, keineswegs, wie das antisemitische „Deutsche Blatt" glauben machen wollte, ein Jude, sondern

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