Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Wien
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 549 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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VerewsnachrichLen. 549 und dürfen nicht darnach fragen, ob Katharina Tabak auch dann für schwachsinnig gegolten hätte, wenn die Unschuld der verleumdeten Juden nicht so schnell zutage getreten wäre, als dies tatsächlich geschehen ist. Aber eine andere Frage dürfen wir aufwerfen: Der „Schwachsinn" der Tabak ist, wie die Ereignisse gezeigt haben, sehr bösartiger und gefährlicher Natur. Das arme, unzurechnungsfähige Geschöpf kann sich ein zweites Mal einen phantastischen „RiLualmord" in den Kopf setzen; es kann sich ein zweiter Bezirksrichter finden, der ihr Glauben schenkt und auf die Angaben eines geistig nicht normalen Kindes unschuldige Juden in den Kerker setzt und damit in der bäuerlichen Bevölkerung die größte Erregung gegen die Juden Hervorrust. Es wäre nun Sache der zuständigen Behörden, die Katharina Tabak durch Internierung in einer Anstalt für Schwachsinnige oder Geisteskranke unstbädlich Zu machen. Wird dies geschehen oder wirs man es weiter zulasfen, daß Katharina Tabak ein willfähriges Medium für die Suggestionen gewisser Ritualmordhetzer bleibe? IX. A. w. g." <£> Prag, 1. Oktober. Von dem Schwurgericht zu Leitmeritz ist dieser Tage der ehemalige Redakteur des tu Aussig erscheinenden antisemitischen „Deutschen Tageblattes", Rudolf Petz, wegen Verbrechens des Einbruchs - Diebstahls zu fünf Jahre Kerkers verurteilt worden. Er hatte am 10. Juli nachts eine verschlossene Schublade erbrochen und mit 766 Kronen das Weite gesucht. Als er das Geld durchgebracht hatte, stellte er sich in Aussig der Behörde. Bei der Verhandlung wurde festgestellt, daß Petz bereits sieben Mal wegen Diebstahls und fünf Mal wegen Betrugs und Veruntreuung bestraft wurde. Wenige Monate, nachdem er die letzte Strafe abgesessen hatte, wurde er würdig befunden, in die Redaktion des antisemitischen Blattes einzutreten. Ja, er genoß, wie die Anklageschrift feststellt, das besondere Vertrauen des Herausgebers. UereirrsrmchrichtZA. f ufolge der großen Vermehrung unserer Geschäfte haben unsere bisherigen Bureau - Räume nicht mehr ausgereicht. Die Geschäftsstelle des Vereins ist deshalb am 11. Oktober d. Js. nach S.W.es, Lindenstratze 13, verlegt worden, wo die im Vorderhause gelegenen, größeren