Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Bad Kissingen
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 547 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 547 gelegentlich einer Reunion den stellvertretenden Bade-Kommissar Freiherrn von Thüngen schwer beleidigt (er hatte ihn einen gemeinen Menschen genannt und ihm Ohrfeigen angeboten, weil Baron Thüngen den mit Kniehosen bekleideten, anscheinend noch nicht 15 Jahre alten Sohn Sterns aus dem Saale hatte weisen lassen) und dessen Anordnung Widerstand geleistet. Stern hatte 80 000 Mk. Kaution hinterlegt, um der Verhaftung zu entgehen. Diese Kaution ließ er im Stich und kehrte nach Amerika zurück. Wie uns soeben ein Telegramm aus München mitteilt, hat Se. Kgl. Hoheit der Prinz-Regent nun Stern auf dessen Gesuch hin begnadigt, sodaß also Stern deutschen Boden wieder betreten darf. Die Geldstrafe kommt ebenfalls in Wegfall, dagegen verbleibt die Kaution der Staatskasse." chh Leipzig, 9. Oktober. Der diesjährige Parteitag der deutschsozialen Partei fand gestern hier unter dem Vorsitze des Abg. Lieb ermann von Sonnenberg in Anwesenheit von etwa 100 Teilnehmern statt. Der Antrag auf Gründung einer Tageszeitung wurde Zurückgezogen, nachdem Liebermann von Sonnenberg demselben energisch mit dem Hinweis entgegengetreren war, daß der Partei genug Organe Zu Gebote ständen, und die Schaffung eines neuen Blattes etwa eine Million kosten würde. Im neuen Parteiprogramm ist die Forderung, die Juden unter ein Fremdenrecht zu stellen, fallen gelassen, dagegen eine Beschränkung der Berufswahl als wünschenswert hingestellt worden. An den Verhandlungen beteiligten sich u. a. außer dem Vorsitzenden die Reichotagsabgeordneten Raab und Lattmann, .der Parteisekretär Henningsen und der jetzige antisemitische Kandidat für den Wahlkreis Eisenach-Dermbach, Kaufmann Wilhelm Schack. Dieser berichtet über seine Tätigkeit in der Hamburgischen Bürgerschaft, aus der bei den letzten Wahlen Abg. Raab und Rechtsanwalt Jacobsen ausgeschieden seien. Der Starke stehe aber am mächrigsten allein, und so sei er jetzt der einzige deutschsoziale Vertreter in der Bürgerschaft. Die Wahlrechtsvorlage des Hamburgischen Staats habe er bekämpft, obwohl sie die Sozialdemokratie aus der Bürgerschaft beseitigen würde, weil sich das Parteiprogramm gegen jede Wahlrechtsverschlechterung wende, und weil die Sozialdemokratie die Vorlage als den Anfang des allgemeinen Wahlrechlsraubs hinstellen werde. Seine Tätigkeit habe er in erster Linie der Durchführung der Kaufmannsgeri'chte gewidmet. Es folgten dann noch die Berichte verschiedener deutschsozialer Stadtverordneten über ihre Tätigkeit in den Stadtparlamenten und die Verlesung eines schriftlichen Rechenschaftsberichts des wegen der dortigen Landtagswahlen be-