Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- A. B., Berlin
- Date
- 1905-08-01
- Page
- 447 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. -! 17 gehen, muß ich seflstellen, daß der Dichter Zustände, wie sie vereinzelt vielleicht vor geraumer Zeit vorgekommen sein mögen, durch seine Darstellung verallgemeinert. In unsrer Zeit kann der Erfolg nur darin bestehen, daß Wasser aus die Mühlen der Antisemiten gegossen wird." — Wir stimmen Ihnen vollständig bei und überlassen es unsern Glaubensgenossen, ob sie derartigen Vorführungen beiwohnen wollen, die nur geeignet sind, über die Zustände in dem Rmfterdamer Ghetto irrezuleiten. B. R., Berlin. Sie irren sich; Graf Pückler hat sich nicht nur an die „Einbrecher" und „Klamottenbrüder", sondern auch an die „holdeWeiblichkeit" gewandt,der bckanntlrch der ^schöne KarlLueger" es teilweise verdankt, daß er auf antisemitischen Krücken zur Würde des Wiener Oberbürgermeisters gelangen und sich in dieser Stellung behaupten konnte. Am 4. Juli ermahnte Graf Pückler väterlich die rote Karline, „der alten Sarah das Dienstverhältnis zu kündigen und ihr das Küchengeschirr vor die Beine zu schmeißen." Die Berliner Dienstmädchen sind zu vernünftig, um Aehnliches zu tun, denn sie wissen, daß sie nirgend besser behandelt und bezahlt werden, als in jüdischen Häuslichkeiten. Aber in anderen weiblichen Kreisen scheint Graf Pückler doch schon Schule gemacht zu haben. Die bereits früher einmal mit vier Wochen Haft bestrafte unverehelichte Alma Pernitz halte sich vor einer Berliner Strafkammer am 28. Juni d. I. wegen Beamtenbeleidigung zu verantworten. Die vorerwähnte Strafe hatte sie erhalten, weil sie auf dem NollendOriplaHe Vorübergehenden ins Gesicht gespieen und dann bei der Arretierung sich einen falschen Namen beigelegt hatte. Diesmal hatte sie in angetrunkenem Zustande einen Exzeß aut dem Potsdamer Bahnhof verübt und in ihrer Wut den Stations-Portier angehaucht: „Verfluchter Jude, Du willst mit wohl meinen kath olifchen Glauben nehmen?" Sie verlangte sodann das Beschwerdebuch und schrieb dort allerlei Unwahrheiten hinein, die in dem Satze gipfelten: „Es sei kaum glaublich, daß eine anständige Dame so behandelt wird." Der Gerichrshof cerurteilte die „anständige Dame", der der Pückler- Jargon offenbar geläufig war, zu zwei Monaten Gefängnis, rechnete aber einen Monat auf die Untersuchungshaft an. S» K. Berlin» Die Angelegenheit hat sich als ein gemeiner Schwindel erwiesen. Im Mai d. Js. erbiUt der Vater des in Könitz ermordeten Gymnasiasten Ernst Winter, der Bauunternehmer Johann Winter in Prechlau ein Telegramm, in dem er ersucht wurde, dem dort eintreffenden Detektive Flock, der binnen drei Monaten die Verhaftung des Mörders hsrbeiführen würde, 5600 M,