Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Cöln a. Rh.
- Date
- 1905-08-01
- Page
- 438 (sequence 2)
- Language
- German
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438 Im deutschen Reich. einem jüdischen Kaufmann auf der Straße Gemeinheiten nachgerufen und war deshalb vom Schöffengericht zu 80 Geldstrafe verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft erachtete die Strafe als zu niedrig bemessen und erhob deshalb Berufung an die Strafkammer, die den Fuhrmann zu einem Monat Gefängnis verurteilte. Danach kann sich Graf Pückler glücklich schätzen, daß er nicht im Rheinland geschimpft hat. # Kassel, 3. August. Dem Verleger des hiesigen „Sonntagsblart^ ist der deutsch-soziale Abg. Amtsrichter Lattman nicht entschieden genug; er fordert ihn deshalb in einem besonderen Flugblane aus, energischer gegen jüdische Ueb ergriffe Front Zu machen, als welche das Blättchen die Abwehr betrachtet, die ein peinlicher Vorfall auf der hessischen ^Werbeausstellung veranlaßt hat. In der von hiesigen Handwerksmeistern herausgegebenen Beschreibung des ausgestellten „Schwälmerhauses" befindet sich der Satz: „Auch der altehrwürdige Brautstuhl von origineller Form und stilvoller Schnitzerei ist in diesem Hause noch nicht von Juden erschachert worden". Herr Zimmermeister Max Freundlich hat sich dadurch veranlaßt gesehen, an die Ausstellungsleitung ein Schreiben zu richten, dessen Wortlaut auch in der „Staalsbürger-Zeitung" veröffentlicht worden ist. Irr diesem Schreiben heißt es: „Es ist ganz unverständlich, wie es kommen konnte, daß eine solche Bemerkung sich einschleichen konnte, wenn nicht die Absicht einer antisemitischen Flegelei Vorgelegen haben soll. Es war beabsichtigt, sofort öffentlich gegen diese Flegelei vorzugehen, was ich indessen zunächst verhindert habe, weil ich Zu genau weiß, daß die Herren vom Ausschuß diesen Dingen absolut ftrnstehen. Im Interesse unseres sonst so wohlgelungenen Auestellungs-Anternehmens möchte ich aber dringend bitten, sofort das Nötige Zu Veranlassen, daß diese Beschreibung des Schwälmerhauses entweder ganz beseitigt wird oder eine Neuausgabe, ohne die jeden anständig denkenden Menschen verletzende ganz unmotivierte Einschiebung der wenigen Worte, veranlaßt wird, damit uns jener Pöbel nicht die Freude am Ganzen verekelt." — Wie die Veröffentlichung in der antisemitischen Presse beweist, ist diese freundliche Zuschrift wenigstens nicht hinter Len Spiegel gesteckt worden. ± Pvritz, l. August. Das „Pyntzer Kreisblatt", das bereits am 29. Juli einen geharnischten Artikel über eine hier von den Reichstagsabgeordneten Krösell und Böckler veranstaltete Versammlung gebracht hatte, druckte am Tage darauf einen Bericht der „Ostsee-Zeitung" über dieselbe Versammlung ab, in dem deren Verlauf noch drastischer geschildert wurde. Es heißt darin u. a.: „Herr