Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Frankfurt a. Main
- Date
- 1905-08-01
- Page
- 437 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. In einem Artikel der hiesigen Halbmonatsschrift „Das freie Wort" wird in Anknüpfung an das Hmkelfche Zehn - Millionen- ProjekL die auffallende Behauptung ausgestellt, die Juden hätten dem Antisemitismus erheblichewirtschaftliche Erfolge zu verdanken. Der Verfaffer führt dabei aus: „Indem man es den Juden unmöglich machte, ihre Söhne im Staatsdienste unterzubringen, waren sie sortdauerndgenöügt, sie dem Handel und der Industrie zuzuführen. Das mußte zu ihrem Heil ausschlageu, weil sie den riesigen wirtschaftlichen Aufschwung der letzen vierzig Jahre voll ausnutzen und so die Reichtümer sammeln konnten, auf denen heute ihre Machtstellung beruht. Die antisemitische Bewegung in den achtziger Jahren kam dieser Entwicklung noch zu Hilfe. Während nämlich der Antisemitismus dem wirtschaftlich schwachen Juden den Lebenskampf schwer macht, ist er geradezu der Schutzengel für die reichen Juden geworden und zwar ganz besonders deshalb, weil er es ihnen ermöglicht, ihre Kinder gut zu erziehen. Das bekannte Wort, wonach der Geldsack und der Bettelsack alle drei Generationen in derselben Familie vorkommt, findet im allgemeinen offenbar auf die Juden keine Anwendung, und das verdanken sie in erster Linie dem Antisemitismus., Denn die Klippen, an denen Söhne reicher christlicher Familien scheitern, räumt der Antisemitismus Den jüdischen sorgsam aus dem Wege. Zurächst weiß der jüdische Jüngling, daß er nicht an der Staatskrippe unterschlupfen kann: er muß etwas lernen, weck er sonst nicht unterkommt! Er kann als Student am Korpslebcn nicht scheitern, weil ihn im allgemeinen kein Korps ausnimmt — was bleibt ihm übrig, als zu arbeitend Er kann nicht Reserveoffizier werden, spart dadurch wertvolle Zeit und viel Geld und wird nicht in das „noble Leben" hineingezogen, das so viele Söhne reicher Familien ihrem Berus entfremdet — kurz alles wirkt mit, ihn seiner kaufmännischen und gewerblichen Tätigkeit zu erhallen, Statt mäßrg bezahlte Stellungen als Richter, Verwaltungsbeamtel Offiziere usw. zu erstreben, zu denen ihn vielleicht sein sozialer Ehrgeiz hinzöge, muß sich der Sohn jüdischer Eltern Industrie, Handel, Bankwesen, Preffe usw. als Feld seiner Tätigkeit auswählen, Berufe, für die ihn angeborene Anlagen roch besonders geeignet machen. Den Erfolg dieser überaus klugen Maßnahmen der regierenden Kreise sehen wir in der wirtschaftlichen Macht unserer jüdischen Mitbürger vor Augen. Es ist nämlich ein Gesetz des Lebens, daß alle staatliche Unterdrückung zum Heil des Unterdrückten ausschlägt." cf Cölu a. Rh, 2. August. Ein in dem Nachbarort Ehrenf?ld wohnhafter Fubrmann hatte ohne irgendwelche Veranlaffung