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Im deutschen Reich · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. 372

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
[Ohne Titel]
Date
1905-06-01
Page
372 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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372 Im deutschen Reich. daß sie zustimmende Zurufe veranlaßt hätten. Aus dem amtlichen stenographischen BenLt schien außerdem hervorzugchen, daß die ganze Rede einen Anflug von jenem Humor hatte, der in, den Versammlungen des Bundes der Landwirte im Zirkus Busch nie seine Wirkung verfehlt. An den betreffenden Redner, Herrn Rittergutsbesitzer von Klitzing, Mitglied des Preußischen Herrenhauses, Charlotten- Hof bei Vietze haben wir deshalb damals nachstehendes Schreiben gerichtet: Berlin, den 10. Juni 1904. „Ew. Hochwohlgeboren haben, wie wir aus dem amtlichen stenographischen Berichte ersehen, am Montag, den 16. v. M., in der 16. Sitzung des Preußischen Herrenhauses bei Gelegenheit der Eisenbahndebatte wörtlich gesagt: „In den Zügen werden wir genau sortiert nach der ersten, zweiten, dritten und vierten Klasse, in den Wartesalen aber nicht. Es steht zwar darüber, aber es ist jedem erlaubt, hiruiazugehen, wie er will. Für unsereinen als Mann oder für ganze Familien ist das egal; aber es reisen auch manchmal Damen, junge Damen, allem, und da macht sich in der zweiten Klaffe ein Publikum breit, das zu unfern Staatsangehörigen jüdischen Glaubens gehört, die sich durchaus nicht immer so gegen Damen und namentlich junge Damen benehmen, daß man die Damen allein fahren lassen kann. Wenn die Herren in die Wartesäie gewiesen würden, zu denen sie Billets haben, so würde das ausgeschloffen sein." Als die Vertreter der größten Vereinigung der deutschen Juden, des wehr als 100,000 deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens umfassenden Central-Vereins, gestatten wir uns, Ew. Hochwohlgeboren darauf ergebenst hinzuweisen, daß Sie zwar in Ihrer Rede diese an so hervorragender Stelle ohne die Spur eines Beweises aufgestellte Behauptung ausdrücklich zu den „Kleinigkeiten" rechnen, wir aber davon eine ganz andere Auffassung haben. Wir sind der Ansicht, daß das Publikum, welches, mit Fahrkarten dritter oder vierter Klasse ausgerüstet, sich in den Wactesalen erster oder zweiter Klasse aufdält, in den allerseltensten Fällen zu den „Staatsangehörigen jüdischen Glaubens" gehört. Wir sind ferner der Meinung, daß es Ew. Hochwohlgeboren schwer fallen würde, dis ausgestellte Behauptung zu beweisen, noch schwerer aber, nachzuweisen, daß es vorzugsweise jüdische Reisende sind, welche gegen junge Damen sich unziemlich benehmen.

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