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Im deutschen Reich · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. 371

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
Karlsruhe
Date
1905-06-01
Page
371 (sequence 2)
Language
German
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VereinsnachrichLen. 871 Durch diese Tätigkeit erlangte er den weiten Blick für alle Verhältnisse des wirtschaftlichen Lebens. In Berlin erwarb er sich auch die Freundschaft des späteren badischen Finanzministers Karl Mathys. 1868 wurde er zum Präsidenten des badischen Fmanzmirnsteriums ernannt^ das er 25 Jahre hindurch leitete. Die Schaffung einer Reihe wichtiger Finanz- und Steuergesetze sind sein Werk. Als badischer Bevollmächtigter im Bundesrat des Deutschen Reiches war er unter anderem als Referent für die Münzgesetze hervorragend tätig. 1872 erfolgte seine Ernennung zum Staatsrat, 1876 zum Geh. Rat erster Klasse und 1888 zum Finanzminister. Bei seinem Rücktritt vom Amte im Jahre 1893 wurde in einem Handschreiben des Großherzogs die erfolgreiche Tätigkeit Ellstätters dankbar anerkannt.. Bei der Beerdigung Ellstätters war der Großherzog durch den Oberschloßhauptmann von Offensandt-Berckholtz, die Großherzogin durch den Schloßhauptmann v. Stabel, Prinz Carl durch den Rittmeister v. Frisching vertreten. Außerdem waren noch viele hochgestellte Beamte anwesend. In der Trauerrede betonte Stadtrabbiner Dr. Appel, daß der Dahingeschiedene nie aufgehört habe, sich als Jude Zu fühlen und für seine leidenden Glaubensbrüder ein lebhaftes Interesse zu bekunden. Reremsimchrichte«. EMrelfach dürfte man der Ansicht fein, daß ein Edelmann, der an hervorragender Stelle allgemein gehaltene Beschuldigungen gegen eine ganze Bevölkerungsklasse erhebt, auch tatsächliche Unterlagen dafür b. sitzt und nicht zögert, diese beizubringen, wenn er darum von beteiligter Seite ersucht wird, andernfalls aber, wenn er die Grundlosigkeit seiner Beschuldigungen emsieht, es als Ehrenpflicht erachtet, diese zu widerrufen. In manchen Kreisen scheint aber doch Herr Liebermann von Sonnenberg tonangebend geworden und eine andere Ansicht über Verpflichtungen bei irrigen Behauptungen maßgebend zu sein. Zu dieser Annahme veranlaßt uns ein Vorkommnis im Preußischen Herrenhaufe, das in der Tagespreffe feiner Zeit geringe Beachtung gefunden hat, von uns aber deshalb nicht als unbedeutend betrachtet wurde, weil die betreffenden Aeußerungen in den parlamentarischen Berichten der meisten Blätter vollständig fehlten, während sie in einzelnen konservativen Organen mit dem Zusatze wiedergegeben wurden.

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