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Im deutschen Reich · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. 364

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
Hagen
Date
1905-06-01
Page
364 (sequence 1)
Language
German
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364 Im deutschen Reich. Hagen, 2. Juni. Bus lustiger Gesellschaft kommend, haben in einer der vergangenen Nächte einige Herren der sogenannten besseren Stände in der Weinlaune mit den Diamanten ihrer Fingerringe eine ganze Reihe Schaufenster an der Elberfelderstraße zerkratzt und die Schaufenster jüdischer Geschäfte mit höhnischen Bemerkungen versehen. Die auf diese Weise unbrauchbar gemachten Spiegelscheiben sollen einen Wert von ca. 16000 Mark haben. Trotzdem die Leute sich seitdem bereit erklärt haben, den ganzen Schaden zu ersitzen, kann dies die erstattete Anzeige wegen Sachbeschädigung und Beleidigung nicht aufhalten, so daß die Folgen dieser Weinlaune für die Betreffenden recht fühlbar sein werden. Hamburg, 14. Juni. Unter der Überschrift „Allerwelts- Tollhaus?" schreidtdas hier erscheinende antisemitische „Deutsche Blatt" „Im Plötzensee-PrOZeß sagte der von den Verteidigern geladene Sachverständige Br. Placzek u. a.: „Er habe die Erfahrung gemacht, daß gerade die russisch-polnischen Juden die Neigung Zu intensiver auftretenden Geistes- und Nervenkrankheiten haben. Er würde bei jedem derartigen Menschen eine Disposition annehmen." Mag sein, aber dann mögen die Herrschaften erst recht bleiben, wo sie sind. Deutsch, land ist doch nicht dazu da, daß die Juden aller Welt hier ihre Geistes- und Nervenkrankheiten austoben." — Daß um er den russischpolnischen Jaden Disposinon Zu intensiver auftretenden Nerven- und Geisteskrankheiten besteht, ist wohl möglich. Das edle „Deutsche Blatt" sollte aber lieber den naheliegenden Schluß darausziehen, daß hier eine Schuld der menschlichen oder, richtiger, der unmenschlichen russischen Gesellschaft vorliegt, die durch eine schändliche Bedrückung über jene Bevölkerungsklafse Elend und Krankheit gebracht hat. Der Barmherzige erbarmt sich des Viehes, der Antisemit aber gibt den Mitmenschen, die man wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens ins Elend gestoßen hat, noch einen Fußtritt. Die Presse aber, die dazu anleitet, nennt sich dabei — eine „soziale"! # Frankfurt a. M. Die „Frankfurter Zeitung/ berichtet: Der 10. deutsch-israelitische Gemeindetag wurde hier am 12. Juni in der „Frankfurt-Loge" durch Professor Dr. Philippson eröfsiret. Von 139 Mandatsmhabern wurden 235 Gemeinden vertreten. Als Vorsitzender wurde Br. Blau-Franksurt gewählt. — Geheimrat Pros. Rosin - Freiburg i. B. erstattete Bericht über seine Arbeit: „Rechtsstellung der jüdischen Gemeinden in Preußen". Für den Gesetzentwurf müssen maßgebend sein: Herstellung einer Orgamsirtionsform, Ausgleich zwischen Laien und Geistlichen, Feststellung der Staatsgewalt und Rechte der Mino-

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