Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Kulturprobleme der Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 313 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 313 Es kann nicht nachdrücklich genug davor gewarnt werden, in diesem Werke Belehrung über das Judentum suchen zu wollen, wenn auch F. sich als einen genauen Kenner von Bibel und Talmud und jüdischer Geschichte ausgibt. Seine Darstellung des Judentums ist so einseitig tendenziös, daß er sich nicht scheut, das oft behauptete, aber schon längst widerlegte Märchen auszutischen, wonach „die bedeutendsten Propheten und der in nicht minder hohem Ansehen stehende Psalmist" sich mit Mißachtung über den in der Thora gebotenen Kultus geäußert hätten. Die gehässige Sprache, deren er sich vielfach bedient, wird auch schwerlich dazu beitragen, ihm Objektivität zuzuerkennen. Die geflissentliche Vernachlässigung des ideellen Gehaltes im Judentum macht vollends dieses Bild des Judentums zu einem Zerrbild, dem nur wenige wahre Züge gegeben sind. Noch weniger wird man ihm glauben dürfen, daß das ethische Streben dem Judentum« seine Verfolgungen eingetragen habe. Klagt er doch damit nicht das Judentum, sondern die ganze moderne Kultur an, der sittliches Streben als eine unerläßliche Voraussetzung anhaftet. Die Kultur wird über F.'s Anklage hinweg ihrem Ziele entgegengehen, und das Judentum kann stolz darauf sein, der Menschheit die Wege zur Kultur gewiesen zu haben. Gustav Cohn, Berlin. 25. Jahresbericht des Vereins zur Unterstützung der Schüler der Vildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover. Eingetragener Verein. Erstattet in der Generalversammlung vom 29. März 1905. Der 25. Jahresbericht des Vereins gibt einen interessanten Rückblick auf das Entstehen und die Entwicklung des Vereins. Veranlaßt durch die Tatsache, daß es oft gerade die Minderbemittelten und Unbemittelten find, die ihre Kinder dem Lehrerstande zuführen, traten im Oktober des Jahres 1879 auf Anregung des verstorbenen Landrabbiners vr. Sam. E. Meyer 13 Herren aus Hannover zusammen, um einen „Verein zur Unterstützung der Schüler der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer" ins Leben zu rufen. Das nächste Ziel war, dem Freitifchwesen und der manchmal nicht recht würdigen Art der Unterstützung bedürftiger Schüler durch eine angemessenere und dem zukünftigen Beruf der Schüler meh< entsprechende Weise der Fürsorge ein Ende zu machen. Das Ziel, dem der Verein nun zustrebt ist: die Möglichkeit, im Notfall würdige Schule auch ganz unentgeltlich ausnehmen zu können. Möge — das ist unser Wunsch zum Jubiläum des Vereins — dieses Ziel recht bald erreicht werden, es wird ein Segen sein für die Jünglinge, denen die Vorbereitung für ihren mühevollen Beruf erleichtert wird, ein Segen