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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 309

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
O. K. Kassel
Date
1905-05-01
Page
309 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten kr Redaktion. 309 Gericht weiter erkannt, trifft den Angeklagte» keine Schuld. Die Uhrmachervereinigung hatte durch ihren Vorfitzenden Kochendörffer den Angeklagten auffordern lassen, die Anzeige nicht mehr aufzunehmen, weil wegen der gleichen Anzeige in Braunschweig eine Verurteilung erfolgt sei. Da aber der Vorsitzende der Uhrmachervereinigung daS (übrigens noch gar nicht rechtskräftige) Urteil gar nicht besaß, da ferner die Braunschweiger Anzeige Angaben enthielt, welche in der Anzeige des Tageblatts nicht enthalten waren, so erkannte das Gericht dahin, daß der Angeklagte gar nicht in der Lage war, sich etwa darüber zu vergewissern, ob in seiner Anzeige irgend etwas Unwahreenthalten sei und daß er, bevor ihm der Wortlaut der Braunschweiger Anzeige und des Urteils schriftlich mitgeteilt worden war, auch nicht die geringste Veranlassung hatte, sich darüber zu unterrichten, sondern bis zum Nachweis des Gegenteils die Angaben der Anzeige für wahr halten mußte. Aus diesen Gründen erfolgte die kostenlose Freisprechung, nicht aber, wie in dem Berichte angegeben ist, weil die Uhrmachervereinigung den Angeklagten mittels eingeschriebenen Briefes auf die Unlauterkeit der Anzeige hätte aufmerksam machen müssen, wodurch er über den Charakter des Inserats informiert gewesen wäre. Davon ist in dem Urteil mit keiner Silbe die Rede." — Damit ist aber auch der in den „Deutsch-Sozialen Blättern* enthaltene Bericht in den wesentlichsten Punkten widerlegt. Mit Bezug auf die Briefkastennotiz in unserem Aprilhefte ,,A. S. Lauban, Christliche Taschentücher" schreibt uns Herr L. M. Blume, daß er keineswegs Antisemit sei, indem er wörtlich bemerkt: „Jeder, der mich kennt, weiß, daß ich kein Anti-, sondern ein Philosemit bin und Sann ich dafür zahlreiche Beweise bringen. Ich binjc elang in jüdischen Häusern tätig gewesen und habe deren ChefS achten und lieben gelernt. Auch verkehre ich mit jüdischen Herren meiner Konkurrenz in freundschaftlicher Weise und bin deshalb empört, wie Sie auf Grund der Mitteilung eines Herrn in Lauban solch schwere Anschuldigungen erheben konnten.' Wir bringen die^e Erklärung gern zur Kenntnis unserer Leser, können aber nicht versieben, weshalb Herr Blume bei seiner Achtung vor jüdischem Umgang und gewiß auch jüdischer Kundschaft grundsätzlich die Anstellung von jüdischen Gehitten. auch wenn diese nach jeder Richtung tüchtig, zuverlässig und geeignet sind, verschmäht. Ein wirklich vorurteilsloser Mann darf nicht nach der Abstammung und dem Glauben fragen. Hoffen wir. daß diese Höhe der Auffassung bald die herrschende wird!

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