Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- B. M., Berlin
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 307 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 307 „Augen rechts" ihre Spitze gegen das Kriegervereinswesen richte. Das Gegenteil ist richtig, wenn steilich auch gegen die sozialen und antisemitischen Auswüchse des Kriegervereinswesens Front gemacht wird. Ebensowenig stichhaltig ist die Behauptung, daß die Komödie sich gegen einen Antisemitismus richte, wie es ihn nirgends gäbe. Wir würden gewiß damit zufrieden sein, wenn es Typen wie die des Antisemiten Baggenrod nicht gäbe. Tatsächlich ist aber diese Figur ein naturgetreues Abbild der Wirklichkeit. Ein Blick in die Geschichte des Antisemitismus, in der Leute wie Ahlwardt, Pückler, wie der Mechaniker Ernst Schneider in Wien, Wengg in München u. a. m., eine führende Rolle spielten oder noch spielen, überzeugt davon. Es giebt überdies eine ganze Reihe von Geschäfts- Antisemiten in Deutschland, Oesterreich und anderen Ländern, die sich durch diese Bewegung eine Zeit hindurch gute Einkünfte verschafft haben, bis sie von den eigenen Parteigenoffen erkannt und von den Rockschößen abgeschüttelt wurden. Dies dürfte wohl zur Genüge dartun, daß die antisemitischen Kritikaster zu ihren Ausstellungen — man kann sagen: leider — keine Berechtigung haben, und daß der Autor stch nicht einmal poetische Licenzen erlaubt hat, wenn er grelle Streiflichter aus die Geschäftspatrioten und antisemitischen Hetzer wirst. Amüsant aber ist, daß sich die genannten Blätter in den ihnen entnommenen Redensarten nicht wiedererkennen wollen und das eigene Bild, das sie im Spiegel sehen, unschön finden. G. H., Berlin. Wir bitten Sie, uns Ihren Namen anzu-, geben, da wir auf anonyme Zuschriften nichts veranlaffen können. N. L. Charlottenburg. „Der Annonzenteil der „Jugend" und des „Kleinen Witzblattes" lautete die Ueberschrist eines Leitartikels der „Staatsbürger-Zeitung", in dem diese, anknüpsend an einen Ausspruch Otto von Leixners, eine scharfe Kritik an dem Annonzen- und Reklamewesen einzelner Zeitungen übte. Dagegen haben wir nichts cinzuwenden, so lange nicht die Juden für das auf diesem Gebiete herrschende Unwesen veranwortlich gemacht werden. Die Schmutzliteratur haben wir zu bekämpfen, mag sie, was häufig genug (besonders in Wien und Paris vielfach) vorkommt, von Antisemiten herrühren, oder, was leider nicht ausgeschloffen ist, auch von Juden. Die von unfern Glaubensgenossen begangenen Fehler, mögen sie auch seltener sein, berühren uns schmerzlich genug, denn die Juden müssen sich wie alle zurückgesetzten Stiefkinder einer völlig vorwurfsfreien Handlungsweise befleißigen, weil man die Fehler einzelner der Gesamtheit nur allzugern zur Last zu legen pflegt.