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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 300

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Chemnitz
Date
1905-05-01
Page
300 (sequence 2)
Language
German
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300 Im deutschen Reich. denen eine die Namen von zwei jüdischen Firmeninhabcrn enthielt Am Wahltage erließen die Kaufleute Ulrich und Schubert einen „Aufruf", in dem sie die Wähler der Gegenliste baten, die beiden Namen durch andere zu ersetzen, damit nicht „das israelitische Element unter den Beisitzern eine unangemessene Rolle spiele". Die Herren Illing und Metzner, fühlten sich als Mitunterzeichner der von Ulrich und Schubert empfohlenen Liste durch diesen „Aufruf" unangenehm berührt und wandten sich an die übrigen Mitunterzeichner der Liste, von denen 24 ebenfalls den „Aufruf" mißbilligten. Ulrich, ein Mitglied der konservativen Partei im Landtage, schrieb an Metzner: „er wolle es dahingestellt sein lassen, ob es sich mit der Ehre eines deutschen Offiziers vereinbare, den Juden Unterstützung angedeihen zu lassen". Illing und Metzner, die beide Landwehrofftziere sind, forderten Ulrich auf, diese Beleidigung zurückzunehmen. Da dies nicht geschah, schickten sie ihm Pistolenforderungen, die von dem um die Ehre des deutschen Ofstziersstandes so besorgten Landtagsabgeordneten rundweg abgelehnt wurden. So kamen die beiden Herausforderer vor das Kriegsgericht. Die Geschichte ist dadurch bekannt geworden, daß der Antrag des Anklagevertreters auf „Ausschluß der Oeffentlichkeit" abgelehnt wurde. ± Zittau, 14. Mai. Nach kurzem Krankenlager verschied gestern der Lehrer und Prediger Simon Neubauer, der in seinem Amte segensreich wirkte und als langjähriger Vertrauensmann des Central- Vereins unsere Sache mit Eifer förderte. T. Bamberg, 1. Mai. Bemerkenswerte Beweise von Vorurteilslosigkeit hat in den letzten Tagen unsere hiesige Stadtverwaltung in zwei Fällen gegeben. Gelegentlich des offiziellen Empfangs bei der Ankunft des neuen Erzbischofs am 29. v. Mts. wurden 4 Magistratsräte, darunter ein Israelit, als Vertreter gewählt. Im Gemeinde- Kollegium äußerte sich anläßlich der Beschlußfassung über Abtretung eines Platzes an die hiesige Kultus-Gemeinde für einen Synagogen-Neubau der Vorsitzende, Geh. Hofrat Dr. von Schmitt, daß die israelitischen Mitglieder zu den kräftigsten Steuerzahlern gehören und ihr stets bekundeter Wohltätigkeitssinn Anerkennung verdiene. Ein an schönster Stelle der Stadt befindlicher Bauplatz wurde einstimmig der Kultus- Gemeinde billig zur Verfügung gestellt. X Stuttgart, 2. Mai. Dem Vorstand des hiesigen Poftanweisungsamts, Oberinspektor Schloßberger, einem glaubenstreuen Juden, ist der Titel eines Postrats verliehen worden. cf Wien, 11. Mai. Das Heft Nr. 4 der Monatsschrift der „Oesterreichischen Jsraeletischen Union" bringt unter der Ueberschrist „Ein Ostermärchen" folgenden Beitrag zu den Geheimnissen der

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