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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 299

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Hamburg
Date
1905-05-01
Page
299 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 299 sich mit der gleichen Sache nicht noch weitere 4 Jahre in der Christenlehre abquälen will, oder wenn es von religiösen Vorstellungen nicht hoch denkt, welche die Kirche selbst ihm trivial gemacht hat." Das Hamburger Blatt betont, daß sich die ,,Tägl. Rundschau", das Organ des „Evangelischen Bundes", über diese Ausführungen zustimmend geäußert habe, und fügt dann hinzu: „Auch im „nationalen" Lager ist diese Anficht heimatsberechtigt." Daß in dem Lager der Antisemiten die Ausmerzung des Alten Testaments aus dem Volksschul- Unterricht als Ziel der Bestrebungen betrachtet wird, ist nichts Neues, aber kann denn selbst ein Stöcker es billigen, daß seine guten antisemitischen Freunde den Verfasser des 46. Psalms, dem das Lutherlied „Eine feste Burg ist unser Gott" entlehnt ist, den König David, als eine der „moralisch anrüchigen Gestalten des Judentums" bezeichnen? Meiningen, 2. Mai. Bis zum Jahr 1864 durften hier Juden Geschäfte machen, aber keinen Wohnsitz erlangen. Der erste Jude, dem Herzog Bernhard gestattete, sich hier ansässig zu machen, war ein Kaufmann Romberg, dessen Sohn Moritz Romberg später den Titel Kommerzienrat erhielt. Moritz Romberg blieb dem jüdischen Glauben bis zum Lebensende treu; sein Sohn aber, der Großkausmann, jetzige Rentier Siegmund Romberg, ließ seine beiden Söhne, als sie in das schulpflichtige Alter traten, taufen und trat später selbst zum Christentum über. In schmerzlichster Weise hat er aber erfahren müssen, daß man durch die Taufe den Kindern gegen kränkende Vorurteile keinen hinreichenden Schutz verschafft. Durch den Hinweis auf die jüdische Abstammung wurde der älteste Sohn vor einiger Zeit veranlaßt, aus einem Korps auszuscheiden, dem er als Student angehört hatte. Der glänzend veranlagte zweite Sohn, Fritz Romberg, der in einem Artillerie-Regiment als Leutnant in Münster in Westfalen diente, hat sich dort am 30. März erschossen. Zu jüdischen Kreisen hatte seine Familie längst keine Beziehungen mehr; aus christlichen Kreisen kommt die Nachricht, daß bei dem hochgradigen Ehrgefühl des erst 21 Jahre alten Offiziers die vielleicht nicht einmal böse gemeinte Aeußerung eines Kameraden über seine Abstammung den Anlaß zu der unseligen Tat gegeben habe. X Chemnitz, 2. Mai. Vor einigen Tagen hatten sich hier vor dem Kriegsgericht zwei Landwehrossiziere, der Fabrikant: Illing und der Bankier Metzner, wegen Herausforderung des konservativen Landtagsabgeordneten Ulrich zum Zweikampf zu verantworten. Bei der diesjährigen Wahl von Beisitzern zum Kaufmannsgerichte standen sich hier zwei Listen gegenüber, von

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