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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 298

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Steele
Date
1905-05-01
Page
298 (sequence 2)
Language
German
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2Sö" imu|u)eu oiciui. leben wie für die angegriffene jüdische Bevölkerung. Mit einem warmen Appell, die hohen Ziele des Vereins durch Beitritt und Ausbreitung feiner Bestrebungen in immer weiteren Kreisen kräftig zu fördern, schloß Herr Dr. Herzfeld seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen, deren Wirkung sich in einer sehr anregenden Besprechung zeigte. Der Ortsgruppe traten am selben Abend 33 Mitglieder bei; seitdem sind noch weitere Anmeldungen erfolgt. ± Hamburg, 6. Mai. Daß der Antisemitismus, der neuerdings feine Spitze weit mehr gegen die Erwerbstätigkeit der Juden als gegen ihre Religion richtet, diese weit weniger schädigt als die christliche Religion, ist eine mit Händen zu greifende Wahrheit. Es ist deshalb fast unbegreiflich, daß noch immer manche evangelische Geistliche die antifemitische Bewegung fördern und damit den Ast der semitischen Heilswahrheiten zersägen, auf dem sie selbst sitzen. Wie denken denn diese strenggläubigen Geistlichen über den in dem antisemitischen Hamburger „Deutschen Blatt" (Deutsch-Sozialen Blätter) vom 3. Mai veröffentlichten Artikel „Alte Wahrheiten über den Religionsunterricht", in dem, wie die Redaktion selbst sagt, ein hartes, aber beachtenswertes Urteil über den evangelischen Religionsunterricht gefällt wird? Es werden darin aus einer Broschüre des badischen Geheimen Hofrats Dr. Weigoldt folgende Sätze zitiert: „Unsere Kirche schätzt den Erfolg des Unterrichts, so feierlich sie offiziell vielleicht das Gegenteil versichert, tatsächlich nicht nach der Tiefe, sondern nach der Breite und dem Umfang; denn die einfache Wahrheit, daß der Mensch fromm leben müsse, um Gott wohlgefällig zu sein, läßt sie das Kind mit einer Anzahl von Ge. sangbuchversen, mit 300 Bibelsprüchen, mit 157 dogmatischen Thesen und mit einem dicken Geschichtsbuche erkaufen, in welchem alle Details des Judentums und selbst moralisch anrüchige Gestalten, wie ein Jakob, ein Simson, ein David, auf Kosten der Kinder sich der ausgibigsten Berücksichtigung erfreuen. Sie packt eine Menge religiöser Begriffe in die Köpfe schon auf Altersstufen, auf denen sie schlechterdings nicht geistig voll erfaßt werden können. Sie übt auch nicht die pädagogische Regel, daß man den Unterricht mit Abwechslung interessant und spannend machen müsse; sie quält das Kind vielmehr vom 6. bis 14. Jahr Tag für Tag mit dem gleichen Katechismus, zieht ihre höchsten und heiligsten Aufschlüsse, entgegengesetzt den alten Griechen und den ersten Christen, welche daraus ein Mysterium, ein Arkanum machten, zum alltäglichen Geschwätz herunter und ist dann noch mehr erstaunt, wenn das Kind

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