Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 267

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Der Kampf um die akademische Freiheit
Date
1905-05-01
Page
267 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316727-2316733-2334992--13775-2335080
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Kampf um die akademyHe meiyen. es stch empfehlen, daß wir uns nicht allzu großer Vertrauensseligkeit hingeben. Der Kernpunkt des Kampfes sind die konfessionellen studentischen Verbindungen, denen man die Existenz-Berechtigung abspricht, weil sie in den jugendlichen Gemütern unberechtigte und schädliche Scheidungen Herbeisühren und ein Hohn aus die freiheitliche Ausgestaltung des studentischen Lebens und die akademische Freiheit seien. So annehmbar das küngt, wird man gut tun, dabei nicht zu vergessen zu fragen: welche Elemente find es denn gewesen, die die konfessionellen Streitpunkte in die Studentenschaft getragen haben? Da zeigt sich nun, daß ein großer Teil gerade derjenigen Elemente, die jetzt so treffende Worte gegen die konfessionellen Verbindungen ins Feld führen, es gewesen ist, der den jüdischen Studenten den Eintritt in die Verbindungen verschlossen hat. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Korps, die Burschenschaften, viele Turn- Vereine, die Vereine deutscher Studenten und viele andere längst keine Juden mehr aufnehmen. Unter diesem Zwange haben sich die jüdischen Studenien-Berbindungen begründet. Meinen jenen Kreise es nun wahrhaft und ernst mit dem Kamps für die akademische Freiheit, so werden sie logischer Weise damit anfangen müssen, die konfessionellen Schranken der eigenen Verbindungen zu beseitigen und nach den in diesen Tagen auf dem Hochschultage in Weimar geschaffenen Bestimmungen zu handeln, die es so schön aussprechen: „§ 1. Der Verband bezweckt die Einigung der deutschen Studentenschaft. . . "Mus dem Bewußtsein, ein Lernender zu sein, und aus dem Prinzip der Selbsterziehung folgt für den Studenten die Pflicht, jede Absonderung nach parteipolitischen oder konfessionellen Gesichtspunkten selbst zu vermeiden und ihr gegebenenfalls bei seinen Kommilitonen entgegenzutreten." Diese Sätze mögen genügen, um den Geist der neuen Bewegung zu kennzeichnen. Warten wir ab, ob den Worten die Taren folgen werden und die Studentenschaft stch darauf besinnen wird, daß das schöne Lied „Deutschland, Deutschland über alles" des freisinnigen Dichters Hoffmann von Fallersleben nicht als antisemitisches „Schutz- und Trutz Lied" gedichtet war, und daß man die darin enthaltenen Worte nicht nur singen, sondern auch betätigen soll: „Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand!" W.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.