Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Auerbach über Schiller
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 260 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Im deutschen Reich. was die deutschen Juden von ihm trennen könnte. Wohl aber ist Eines, was die Juden besonders zu Schiller hinziehen muß, was auch Berthold Auerbach zu diesem nationalen Dichter der Deutschen vor allem hinzog: er hat das Brod des Elends gegessen, und deshalb verstand er die Menschen, die gelitten haben und sich erniedrigen mußten, deshalb ward er," mußte er werden ein Verkünder der allgemeinen Menschenrechte, mußte er als Glaubenssatz aufftellen: Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, Und würd' er in Ketten „geboren", mußte er ein Freund aller „Bedrückten und Beladenen" sein, und seine herrlichen Schöpfungen, die der poetische Ausdruck dieser allgemeinen Menschenliebe sind, mußten die Zuflucht werden aller derer, die kämpfend gegen Bedrückung und Ungerechtigkeit, sich erbauen wollten an wahrer Menschenliebe. Wir verehren Schiller nicht als Freund oder Gönner der Juden oder des Judentums, der er zu sein niemals wohl Gelegenheit haben konnte, aber als Kämpfer für freie Menschenrechte und Menschenwürde, als welcher er den deutschen Juden mehr gab, als irgendeiner. Denn wenn deutsche Juden um ihre Rechte kämpfen, können sie es im Zeichen Schillers und können sie sich auf den größten deutschen nationalen Dichter berufen, der, wie sie, für die Freiheit, für die Rechte der Menschheit stritt. Das haben die deutschen Juden früh begriffen; sein Gedicht „Die Glocke" hat ihnen eine bessere Zeit eingeläutet; seine großen Freiheitsdramen haben ihnen nicht nur Mut und Hoffnung eingeflößt, sondern auch die Ueberzeugung, daß Deutschtum und Judentum keine Gegensätze find, sondern sich harmonisch verbinden lassen. Wodeutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens „in tirannos“ für ihre Rechte streiten, glauben sie im Geiste Schillers wie jene Männer zusammenzustehen, deren Freiheitskämpfe durch Schillers Genius so wunderbar verherrlicht worden sind. Was lehren uns die KaufmanKSgerichLsWahlen? Iplte ersten Wahlen zu den Kaufmannsgerichten im Deutschen Reiche Ulf und ganz besonders in Berlin haben dadurch ein nicht unbedeutendes politisches Interesse erlangt, daß die antisemitische Organisation unter den Handlungsgehilfen, der Deutsch-nationale Handlungsgehilseu-Verband, sie durch eine lärmende Agitation großen Stils zum