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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 258

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Auerbach über Schiller
Date
1905-05-01
Page
258 (sequence 6)
Language
German
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zoö 3m deutschen Reich. weitgreifende umfassende Darstellungen gegeben. Und daß dies der ausübende Künstler selbst getan, ist von unverwüstlicher fortzeugender Kraft." Mehr als mit dieser Charakteristik des Kuustästhetikcrs Schiller, die etwas summarisch erscheint, kann man mit Auerbachs Erklärung des Wesens Schillers als Dichter einverstanden sein. Da heißt es! „Es ist nichts als die Wahrheit, wenn man sagt, Schiller ist der Dichter der Einheit, der ungebrochenen, sich selbst aufbauenden Manneskraft. Es ist nichts als die Wahrheit, wenn man sagt! Schiller ist der Dichter des Vaterlandes — ja er hat dieses unbekannte Land, genannt Vaterland, für viele erst entdeckt. Es ist nichts als die Wahrheit, wenn man dies sagt, aber es ist nicht die volle, ist nicht die ganze Wahrheit. Schiller ist der Dichter der Schönheit, der schönen Menschheit in seinen Schöpfungen hat er's gezeigt, in seinen Lehren verkündigt; es gilt vor allem Dichten und Trachten nach der Schönheit, denn sie ist der Inbegriff aller bürgerlichen und Menschlichen Tugenden." Auerbach hat dann später nach den herrlichen Festen, welche anläßlich des hundertjährigen Geburtstages Schillers im November 1859 aller Orten stattfanden, ein Facit dieser Jubeltage gezogen. Er veröffentlichte im Dezember 1859 einen Aufsatz: „Was war und was bleibt die Schillerseier?" Hier untersucht Auerbach zunächst, warum Schiller damals, wie eben jetzt wieder, vom deutschen Volke gefeiert worden ist, wie kein anderer deutscher Dichter vordem und nachdem. Er gibt die Antwort: »Weil er der Dichter der Freiheit und Menschenwürde ist, weil er feine Gestalten nicht nur belebte, sondern auch beseelte, daß nicht nur der Atem des wirklichen Lebens in ihnen ist, sondern auch der Duft des unvergänglichen Seins sie umfließt; das letzte und einzige ist und bleibt aber das: daß der Glaube an die Menschbeu, sittlichen Adel und unbeugsame Willenskraft, die den Dichter belebten, uns in seinen Gestalten und volltönenden Worten entgegentritt: sein Glaube wird dadurch zu dem unfern, lebt vor uns, in uns!" Als das Ergebnis der Jubeltage des Jahres 1859 bezeichnet Auerbach vor allem die Wirkung des Festes auf die deutsche Jugend: „Am 10. November 1859 ist Schiller millionenfach neu geboren im Herzen des deutschen Volkes. Die deutsche Schuljugend hat an diesem Tage ein Erinnerungszeichen erhalten, das von unberechenbaren Folgen sein wird. Wir alle, Groß und Klein, Haber ein geschichtliches Ereignis mit erlebt, das zu den denkwürdigsten gehört. Schiller ist der Genius Deutschlands, der Schutzgeist des

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