Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Anonymus. Görlitz
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 245 (sequence 2)
- Language
- German
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den Gegenstand von unbedeutendem Werte eben in dem nächsten Geschäft gekauft hat, ohne daran zu denken, daß er diesen Ankauf auch Lei einem jüdischen Gewerbetreibenden hätte bewirken können. A. S., Laubau. „Christliche Taschentücher" sind also die neueste Errungenschaft des „Konfessionalismus". Wir nehmen von Ihrer Mitteilung Kenntnis, daß die im „Laubaner Tageblatt" veröffentlichte Anzeige: „Zum 1. Juli wird von einem älteren christlichen Taschentuch-Geschäft ein umsichtiger, intelligenter junger Mann fürs Lager gesucht, der mit der Branche und Korrespondenz vertraut ist," von dem dortigen Fabrikanten Herrn L. N. Blume herrührt. Daß dieser Herr sich Ihnen gegenüber mit dem antisemitischen „Sprachgebrauch" und damit zu rechtfertigen suchte, daß er nur Israeliten die Mühe ersparen wollte, sich zu melden, ist bezeichnend. Ob er sich auch die Mühe erspart, seine „christlichen Taschentücher" jüdischen Geschäftsinhabern anzubieten oder zu verkaufen? C. R., Johannesburg. Wir find Ihnen für diese Auskunft sehr dankbar. In der in Stettin erscheinenden antisemitischen „Deutschen Hochwacht" ist am 23. Oktober v. Js. unter der lleberschrift „Der General des Frauenlagers" ein Artikel erschienen, in dem behauptet wurde, der während des Burenkrieges oft genannte Lucas Meyer fei gar kein Bur gewesen, sondern ein aus Thum bei Zwickau in Sachsen nach Transvaal ausgewanderter jüdischer Händler, der anfangs in Südafrika mit Streichhölzern hausiert, dann Goldgräbern getrieben, später Chamberlains „Streitzug" begünstigt, dann in den grauenvollen geschichtlichen' Ereignissen eine eigentümliche Rolle gespielt, schließlich in Brüssel das Zeitliche gesegnet habe und aus dem jüdischen Friedhofe bestattet worden sei. — Unsere Ahnung, daß auch diese Darstellung ein antisemitisches Märchen sei, wurde durch einen Bericht aus Thum bestätigt, daß außer einer einzigen, dort heute noch ansässigen jüdischen Familie in Thum nie ein Jude gewohnt, ein Lucas Meyer überhaupt dort nie existiert habe. Ihre gefl. Mitteilung, daß General Lucas Meyer der Sprößling einer alten angesehenen, wohlhabenden, christlichen Burenfamilie war, schafft uns Gewißheit, daß auch hier von Antisemiten etwas ersonnen worden ist, um einen Toten zu verunglimpfen und ihn dann noch den Juden an den Rockschoß zu hängen. G. K., Berlin. Mit Leuten von der Kategorie des Herrn Friedeberg, der im Görlitzer Prozesse eine so traurige Rolle spielte, haben wir natürlich keine Spur von Mitleid; was wir für die Geschäftsantisemiten empfinden, die für Friedebergs Sünden alle seine Stammesgenoffen mttleiden zu laffen versuchen, darüber aber schweigt des