Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Potsdam
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 229 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen« 229 dar. Nimmt man eine strafbare Handlung an, so werden durch die Verurteilung alle strafbaren Einzelfälle, die vor der Verurteilung Liegen, konsumiert. Und das ist hier der Fall." Der „Vorwärts" bemerkt hierzu: „Wenn die deutsche Gerechtigkeit sich allgemein die Potsdamer Logik zu eigen macht, dann werden die Klagen über Belastung der Richter bald verstummen. Denn in unzähligen Fällen werden Straftaten, die jemand verübt, nachdem bereits wegen anderer Delikte ein Verfahren gegen ihn eingeleitet ist, als Ausflüsse dieser Delikte herzurichten sein und der Uebeltäter hätte verbriefte Straffreiheit für alle Zeiten. Vorläufig raten wir allerdings noch allen, die sich gegen die Strafgesetze vergehen wollen, nicht allzu fest auf die Potsdamer Gerichtslogik zu bauen." Wie verlautet, will übrigens Graf Pückler sich vom politischen Leben zurückziehen und in Klein-Tschirne seinen Kohl bauen. Nachdem ihm das polizeiliche Redeverbot die Abhaltung von Versammlungen in Berlin unmöglich gemacht hatte, wollte Graf Pückler feine Ideen in allwöchentlich erscheinenden Flugblättern unter das Volk bringen. Die wenig judenfreundliche „Märkische Volkszeitung" berichtet darüber: „Der Ton seiner Flugblätter wurde immer blutrünstiger; er setzte schließlich Prämien für Einbrecher und Bombenwerfer aus, die ihr edles Gewerbe bei den Berliner Juden ausüben wollten. Für diese Brandreden fand er keinen Drucker; selbst Mitsching, der bisher die Reden des Grafen verbreitete, lehnte den Druck der letzten ab. Das hat den Grafen sehr verschnupft. Er erklärte seine bisherigen Freunde für „schlappe Kerls", die sich vor ein paar Jahren Gefängnis fürchteten und hat es nun aufgegeben, feinen Kampfruf noch weiter erschallen zu lassen. In beschaulicher Ruhe will er den Rest seines Lebens in Klein-Tschirne verbringen." Magdeburg, 2. April. Nach kurzem Krankenlager ist hier am 24. v. Mts. der erste Vorsteher der hiesigen Synagogen-Gemeinde, Herr Gotthold Simon, im 63. Lebensjahre verstorben. In der kurzen Zeit seiner Amtsdauer hat er ein neues Gemeindestatut geschaffen, das u. a. auch ein segensreiches Peustonsgesetz für die G§- meindebeamtm enthält. Von der Hochachtung, die sich der Verstorbene auch in nicht jüdischen Kreisenerworben hat, legte der warmempfundene Nachruf, den ihm die Vereinigten Lederhändler der Provinz Sachsen widmen, deren Vorsitzender er war, beredtes Zeugnis ab. O Breslau, 1. April. Die „Schlesische Aerzre-Korrespondenz" widmet dem am 26. Februar im Alter von 73 Jahren hier verstorbenen Geh. Sanitätsrat vr. Hermann Rügner einen längeren, höchst ehrenvollen Nachruf, in dem diesem Arzte nachgerühmt wird,