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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 183

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
O. L., Berlin
Date
1905-03-01
Page
183 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 18s hat, was nervöse Leute veranlaßt zu haben scheint, sich in den aufregendsten Vermutungen zu ergehen, die dann von der „Berl. Ztg." als Tatsachen weiter berichtet wurden, ein leichtfertiger Unfug, der nicht scharf genug verurteilt werden kann." — Auf wie viele Ritualmord-Märchen, die durch das Antisemitenblatt ebenso leichtfertiger Weise verbreitet worden sind, paßt wohl diese Selbstkritik! B. O., Berlin. Was ich denk' und tu', trau ich andern zu! Es darf deshalb nicht Wunder nehmen, wenn die „Staatsbürger-Ztg." ohne den Schatten eines Beweises es den Juden zur Last legt, daß wiederholt die Schaufensterscheiben des »Christlichen Konfektionshauses", Brunnenstr. 61, eingeschlagen worden sind. Dem Inhaber des „christlichen" Konfektionshauses ist dabei kein Schaden zugefügt worden, sondern der Glasversicherungs-Gesellschast, bei der er versichert ist. Daß solche Bubenstreiche von Juden nicht verübt werden, weiß die Polizeibehörde aus langjähriger Erfahrung; es wird sie deshalb auch kalt lasten, daß der Antisemiten-Moniteur malitiös bemerkt: „Es ist doch ein nahezu unglaublicher Zustand, daß in der deutschen Reichshauptstadt fortgesetzt solche Bubenstreiche voüführt werden können, ohne daß man die Täter ermittelt. Für die jüdischen Warenhäuser hat man ja in Berlin stets Beamte zur Verfügung." — Wenn die »Staatsbürger-Ztg." aber von einer jüdischen „Propaganda der Tat" und den Anstiftern solcher Heldentaten phantasiert, sollte sie sich doch darauf besinnen, daß ihr größter Konzertredner zu weit schlimmeren „Heldentaten" mit ihrer Billigung aufgereizt hat, und daß sie selbst es der Polizei gewaltig übelnimmt, daß sie einem „ganz unglaublichen Zustand in der Reichshauptstadt", den ihr Pückler herbeigeführt hatte, endlich ein Ende machte. vr. F. in C., Samtätsrat K. in B. n. a. Daß der Konfessionalismus auch in der Medizin immer mehr überhand nimmt — das offizielle Organ des Leipziger Verbandes (Nr. 8 vom 24. Febr. a. er.) bringt in seinem Stellennachweis 64 Vakanzen, von denen nicht weniger als 43 für Juden gesperrt sind — ist gewiß sehr bedauerlich und gerade kein Zeichen der fortschreitenden Kultur. Wie dem Uebelstand abzuhelfen ist, können wir Ihnen leider nicht sagen Der Verbandsleitung liegen, wie wir wissen, antisemitische Neigungen völlig fern. Das ist um so natürlicher, als zahlreiche jüdische Aerzte treue Anhänger und erfolgreiche Mitarbeiter an den Zielen des Verbandes sind. Aber der Vorstand kann mit Rücksicht auf die obwaltenden Zeitumftände in dieser Sache wenig tun; daß er die Differenzierung jüdischer und christlicher Aerzte nicht veranlaßt und billigt, darf als wahrscheinlich gelten. Vielleicht versucht er aber

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