Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- München
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 173 (sequence 1)
- Language
- German
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Korrejpoiwenzen. 178 München, 1. März. Den Vorsitz in der am 22. vor. Mts. zu Ende gegangenen 2. Sitzungsperiode des Schwurgerichtes beim Landgericht München I führte der Oberlandesgerichtsrat Silbermann. Nachdem dieser in der letzen Verhandlung der Periode sich von den Geschworenen verabschiedet hatte, hielt einer derselben, Architekt Emil Ludwig, folgende Ansprache an den jüdischen Vorsitzenden: »Ich bin von den Geschworenen beauftragt, Ihnen hiermit unseren herzlichsten Dank für Ihr Wirken auszusprechen. Wenn, wie Sie erwähnten, wir in der Hauptsache zutreffende Wahlsprüche gefällt haben, so verdanken wir dies in erster Linie Ihren klaren und eingehenden Rechtsbelehiungen, bei welchen ein Rechtsirrtum unsererseits geradezu ausgeschlossen war. Ich bin aber ausdrücklich von den Geschworenen beauftragt, hier zu eikären, daß noch selten ein Präsidium in so mustergültiger Weise geführt wurde, wie von Ihnen, Herr Präsident. Sie haben, was uns insbesondere wohltuend berührt hat, in der sachlichsten und objektivsten Weise auch da, wo es sich um den berechtigten Schutz des Angeklagten handelte, die Verhandlungen geleitet. Es ist unser aller Wunsch, daß Sie noch oftmals an dieser Stelle Ihres hohen Amtes walten und es Ihnen gegönnt sei, noch viele Jahre in ungetrübter Gesundheit Ihre richterliche Funktion zu erfüllen." — Den Text dieser Ansprache sollte man dem preußischen Justizminister in das Stammbuch schreiben! >8- Chemnitz, 2. März. Bei der hier Mitte Februar staitgehabten Wahl der Beisitzer zum Kaufmannsgerichte ist keiner der 8 aufgestellten jüdischen Kandidaten gewählt worden. Leider ist durch die Teilnahmlosigkeit der jüdischen Prinzipale das jüdische Element in den Kaufmannsgerichten diesmal an vielen Orten unbegründet zurückgesetzt. Wir können nur wünschen, daß unsere Anregungen künftig auf befferen Boden fallen mögen. L. IST. Offenbach a. M., 2. März. Trotz der wüsten Agitation der „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen" ist es ihnen hier nicht gelungen, auch nur einen Beisitzer bei dem hiesigen Kaufmannsgericht -u erhalten. Nach der Liste der Prinzipals-Beisitzer ist mehr als ein Drittel von Herren jüdischen Glaubens glatt, ohne daß ein Name durchstrichen war, gewählt worden. X Wien 1. März. In dem 2. Hefte der Monatsschrift der „Oesterreich-Israelitischen Union" wird mitgeteilt: „Vor einigen Tagen brachte der Olmützer „Pozor" die Nachricht, daß bei Pochwatow in Böhmen die Jndustrielehrerin Ludmilla Wolf mit durchschnittenem Halse ermordet aufgesunden wurde und daß in der Bevölkerung die Meinung verbreitet fei, Fräulein Wolf fei einem