Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 172 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Im deutschen Reich. der Bund gegründet wurde. Der Bund sott und will nicht in die Einzelvereine eingreisen, er soll und will eine Stärkung der Schwachen bedeuten, er will bei der Lösung von Allgemeinfragen die Führung übernehmen, er will das Solidaritätsgefühl der jüdischen Frauen stärken, er will dahin wirken, daß die jüdischen Frauen ihre eigene Sache, die jüdische Frauensache als ihre eigenste, richtigste betrachten, die jüdische Frau lerne insbesondere, daß ihre bestes Fühlen, ihre beste Kraft ihrem jüdischen Volke gehört. Wie die Vereine sich auch nennen, alle können durch ihren Anschluß an den jüdischen Frauenbund dem Bunde und rückwirkend sich selbst dienen, da jede Einzelrichtung und jedes Einzelbestreben Platz finden sollen in dem ganzen Großen. Bietet der Bund auch nicht gleich so große ersichtliche Vorteile, so wird die nächste Zukunft sie sicher kür jeden Einzelverein zeitigen. Wie wenige jüdische Frauenvereine arbeiten überhaupt heute schon aus jüdisch-sozialem Gebiet! In den provisorischen Statuten begründet daher der Bund seine Ziele mit den Worten: Der Bund verfolgt die Förderung der Gesamtinteressen der jüdischen Frauenwelt. Er will Gelegenheit geben zum Gedankenaustausch, zu Vergleichen, zur Anregung selbständiger Schöpfungen und enthält sich jeden Eingriffes in die Selbständigkeit der einzelnen Vereine. Politische und religiöse Parteifragen sind ausgeschlossen." Die erste Schriftführerin, Frau Henriette May-Berlin, gab daraus einen Bericht über ihre bisherige Tätigkeit und brachte zur Kenntnis, daß erfreuerlicherweise bereits sich 42 jüdische Frauenvereine dem Bunde angeschlossen haben. Nun wurde zur Beratung der Organisation und Propaganda geschritten: Fräulein Sidonie Werner-Hamburg, wurde zur Vorsitzenden eines Preßkomitees ernannt. Alle osfiziellen Berichte sollen durch ihre Hände gehen und mit O. B. bezeichnet werden. Es werden Vorschläge zur praktischen Arbeit gemacht, die bei der nächsten Delegierten-Versammlung zur Klarlegung kommen sollen. Es sollen dann nachstehende Themata behandelt werden: Fräulein Werner, Hamburg: Zulassung der Frauen zur jüdischen Gemeinde-Armenpflege. Fräulein Pappenheim, Frankfurt: Uneheliche jüdische Kinder. Frau Dr. Seligmann, Frankfurt: Centralisation der Armenpflege. Die Versammlung beschloß, daß der Bund dem „Hilfsverein der deutschen Juden" seine Bereitschaft erkläre, jegliche Arbeit zu übernehmen, die Frauen in der augenblicklich so aktuellen Auswandererangelegenheit leisten können. Die Versammlung ging von der Ueberzeugung aus, daß Frauenhilfe, besonders in den Grenzstädten, sehr wohl erwünscht sein könne. Die nächste Delegierten-Versammlung wird im Herbst in Frankfurt a. M. abgehalten werden.