Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- S. L. Berlin
- Date
- 1905-02-01
- Page
- 115 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 115 fixen Idee leidet" und angeblich nichts dafür kann, daß seine ToLschlag- Reden und Flugblätter bereits einen Totschlag in Altona veranlaßt haben. L. K., Berlin. Das in der „Staatsbürger-Zcitungs" sich häufig wiederholende Inserat des Herrn Franz Nowinski in der Sebastianstraße: ,,Keirr Jude zahlt die Preise für getragene Herren - Garderoben als nur Mein Franz Nowinski" erregt keineswegs unfern Aerger. Eine derartige Reklame ist des Ortes würdig, wo inan sie findet, und es gereicht allen Juden sicher zur Befriedigung, daß der Urheber eines solchen Inserats sie nichts angeht. Die „Westfälische Zeitung" enthielt am 22. Dezember v. Js. ein ähnliches Inserat eines Bielefelder „streng reellen christlichen MöbelundWaren-Kredithaus es", und zwar waren in den völlig harmlosen Text die Worte „8. D. ist kein Jude" so künstlich eingeschaltet, daß der Satz in diesem Zusammenhang nur dadurch herauszufinden war, daß diese fünf Worte fett gedruckt waren. Nachdem der Verlag der „Westfälischen Zeitung" auf das Anstößige dieser Anzeige aufmerksam ge, macht worden war, wurde derselben die weitere Aufnahme versagt. Der Verlag der „Staatsbürger-Zeitung" würde aber kaum einsehen, daß die Anzeige desHerrn Nowinsky „anstößig" ist. Wir haben nur denWuasch das kein Jude mehr nötig haben soll, mit getragenen Kleidungsstücken zu handeln — und daß kein Jude mehr in einem Blatte inseriert, das Judentum und Juden beständig anseindet und beschimpft. C. M., Berlin. Es geht doch nicht an, alle Leute, die einmal ein Inserat in einem Antisemitenblatte veröffentlichen, sofort zu den Judengegnern zu rechnen. Wir haben Beweise genug dafür, daß man manche solche Inserenten nur zu fragen braucht, woh: es kommt, daß man sie „in der Gesellschaft" sieht, um zu erfahren, b i» sie ganz Zufällig hineingeraten sind. So erhielten wir im Dezember v. Js. folgendes Schreiben: „Unterzeichneter ist landfremd als Pächter des Restaurants „Eremitage" (Frauzösstchestr. 21) nach Berlin gekommen. Als neuer Unternehmer war ich genötigt, in der ersten Zeit Reklame zu machen, und so drängten sich täglich Acquisiteure zusammen und erbaten Annoncen. Gänzlich der Politik und der Presse fernstehend, übergab ich auch einem Redakteur, welcher sich als Stammgast von früher her ausspielte, eimgemale eine Annonce. Ich hatte keine Ahnung, welche Tendenz der „Deutsche General-Anzeiger" verfolgt und erfuhr erst gestern, daß es das blutigste Antisemitenblatt ist. Ich bin alles eher als Antisemit; eine Unterstützung dieses Blattes durch Annoncen lag mir gänzlich fern. Ich lege Wert darauf, Ihnen dies mitzuteilen und hoffe, daß meine Unkenntnis der Tendenz jenes Blattes mir nicht vermerkt wird, da ich in meinem