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Im deutschen Reich · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. 80

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Die Juden und die Kaufmannsgerichte
Date
1905-02-01
Page
80 (sequence 2)
Language
German
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80 Jni deutschen Reich. sollten, als er nach seiner Stärke zu beanspruchen hat"). Daß dies geschehen sei, hat bisher noch aus keiner einzigen Stadt verlautet. — Würde man den Kompromiß scheitern lassen, so würde also die Folge davon sein, daß der D. H. V. im Wege der Wahl, die dann stattfinden muß, gleichwohl die entsprechende Anzahl Beisitzer erhielte. Wenn sonach auch bei den Wahlen der Handlungsgehilfen- Beisitzer nicht viel auszurichten sein wird, so wäre es andererseits dringend zu wünschen, daß sich die jüdischen Prinzipale etwas mehr um die Wahlen zu den Kaufmannsgerichten kümmern. Die Listen für die Wahlen der Prinzipal-Beisitzer find in einem großen Teil der Städte, die bisher gewählt haben, im Wege des KompromiffeS aufgestellt worden. Hierbei sind namentlich in Sachsen und auch sonst in Mitteldeutschland die jüdischen Prinzipale, die einen starken Bruchteil der Wähler bilden, vielfach völlig übergangen worden und sie haben sich dies ruhig gefallen lassen. — Wenn in solchem Falle die jüdischen Prinzipale eine besondere Liste aufgestellt hätten, so hätten sie sicher eine entsprechende Vertretung erreicht, denn ich glaube behaupten zu dürfen, daß in Deutschland in jeder Stadt, die ein obligatorisches Kaufmannsgericht errichten muß, soviel jüdische Prinzipale sind, daß auf sie bei Durchführung der Proportionalwahl mindestens ciu Beisitzer entfallen muß. — Welchen Erfolg die Ausstellung einer Liste der jüdischen Prinzipale haben kann, zeigt das Beispiel aus Kiel, bisher der einzige Fall, in dem die jüdischen Prinzipale gesondert vorgegangen sind. Es war hier eine Liste mit drei Kandidaten ausgestellt. Diese erhielt aber soviel Stimmen, daß sie eigentlich noch einen vierten Beisitzer bekommen hätte. In Ermangelung eines solchen mußte der betr. Sitz der gegnerischen Liste zugeteilt werden. Wenn in einem Orte die jüdischen Prinzipale einmal eine solche Sonderliste aufgestellt und durchgesctzt haben, so werden sie wahrscheinlich das nächste Mal beim Kompromiß nicht wieder übergangen werden. Das wird aber dann vielleicht auch die heilsame Folge haben, daß man sich daran gewöhnt, die Juden auch sonst bei anderen Kompromissen, z. B. Stadtverordnetenwahlen k., zu berücksichtigen und sie nicht mehr als Mitbürger zweiter Klaffe zu betrachten. Darum muß den jüdischen Pnnzipalen zugerufen werden: Kümmert Euch etwas mehr um die Wahlen zu denKaufmannsgerichten! Es ist noch Zeit, denn kaum die Hälfte der Wahlen hat stattgefunden. Der Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wird über die erforderlichen Schritte gern Auskunft erteilen. G-. B. *) Zu dieser Frage haben wir unseren Standpunkt im Dezemberheft 1904 S. 646 dargelegt. Die Redaktion. «-2K

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