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Im deutschen Reich · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. 54

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
L. B., Hamburg
Date
1905-01-01
Page
54 (sequence 2)
Language
German
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54 Im deutschen Reich. Schreibtisch, der wohldressiert genug ist, um bei solch ungewohntem Besuch keine Miene zu verziehen. Nun muß man bekanntlich das Leben eben nehmen, wie's Leben eben ist. Sehen wir also zu, was sich mit dieser freiwilligen Judenmatrikel anfangen läßt". — Viel ist dies offenbar nicht gewesen, da es sich aus witzlose „Späße" über die einzelnen Namen beschränkt, die zum größten Bedauern des Antisemitenblattes nicht immer einen Anhaltspunkt dafür geben, wer sicher Jude ist. Am Tage darauf widmete das Blatt dem Verzeichnis noch einen zweiten langen Artikel, um über die Berufsarten der Juden Glossen zu machen, die um so dürftiger sind, als die Aufzählung der Berussarten das Gegenteil von dem beweist, was das Antisemitenblatt beweisen möchte, denn deutlich geht daraus hervor, in wie vielen nützlichen Berufen die Hamburger Juden hervorragend tätig sind. So sehr sich der antisemitische Agitator abquält, dafür besondere Gründe zu ersinnen, kann er nicht abstreiten, daß auch die rein körperliche Arbüt von den Juden keineswegs gemieden wird; er bringt auch keinen Beweis dafür, daß er selbst, um die Vorliebe der „Arier" für die körperliche Arbeit zu bekräftigen, seine eigenen Söhne — Ewerführer oder Karrenschieber werden läßt! A. P. Altona. Der Ihnen im Dezember-Heft dieser Zeitschrift erteilte Bescheid hat den Verwalter der „Rosen-Apotheke" am Schlump, Herrn Scharff, veranlaßt, uns Folgendes zu schreiben: „Ich bin in größte Verwunderung versetzt und verstehe nicht, wie der Einsender cmmmrrrt, daß ich seine Glaubensgenossen habe beleidigen wollen, oder aus der Annonce eine Beleidigung herleitet. Es könnte höchstens der betr. Herr glauben, daß ich antisemitischen Tendenzen huldige. Daß dieses nicht der Fall ist, davon würde der betr. Herr sich leicht haben überzeugen können, da ich sehr viel mit Herren jüdischen Glaubens in und außerhalb des Hauses zusammenkomwe und verkehre. Es muß wohl ein anderer Grund vorliegen, welcher mich veranlaßt hat, in der Annonce die Notiz Christ aufzunehmen. Wie Ihnen wohl bekannt sein wird, arbeitet nicht all und jeder Herr mit einem jüdischen Kollegen zusammen, und da ich darauf sehen muß, mir güte Hilfskräfte zu erhalten, fo glaube ich wohl berechtigt zu fein, ohne meinen jüdischen Mitmenschen zu nahe zu treten, eine Annonce in angeführter Form abzufassen. Was ich an Personal habe, weiß ich, was ich ev. aufgeben muß, weiß ich auch, nicht aber, was ich wieder bekomme. Auf Rühe im Hause und Geschäft lege ich großen Wert, weil sonst der ganze

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