Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- M. G., Berlin
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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no Zm deutschen Reich. Donner eine Jubiläums-Sammlung für das AntisemitenblaLL, das sicher bei einem ähnlichen Unternehmen für ein nichtantisemitisches Blatt einen Leitartikel über „Schnorrerei" loslassen würde. Die „Staatsbürger-Zeitung" veröffentlicht bereits das Ergebnis der ersten Sammlung, wobei die ansehnlichsten Beiträge seltsamer Weise als von „Ungenannt" herrührend bezeichnet werden, was unbedingt für die Zuverlässigkeit der Aufstellung spricht und manchen antisemitischen Parteimann ansporncn wird, nicht zu knapp zu spenden oder in tolerantester Gesinnung gewissen jüdischen Inserenten den Weg zeigen soll, wie sie sich an der Liebesgabe für „Ritualmordmärchen-Erzähler" beteiligen können! H. M., Berlin. Für die Uebersendung des >sl. Berichts der „Gesellschaft zur Beförderung des (Christentums unter den Juden" zu Berlin über das Jahr l003 sind wir Ihnen dankbar, denn der Inhalt erklärte uns vollständig, warum bei vielen strengreligiösen Christen noch so falsche Anschauungen von dem Judentum bestehen. Das ist erklärlich, wenn von so autoritativer Seite Schriften verbreitet werden, in denen ohne den Schatten eines Beweises über das Judentum die haarsträubendsten Dinge behauptet werden. Gleich in der Einleitung der Missionsfchrift wird da von dem Judentum behauptet: „Von einer Führung der Seelen zu Gott ist keine Rede. Dagegen verbündet es sich mit dem Unglauben und allen zerstörenden Einflüssen im Christentum, erfüllt von tiefein'gewurzelter Abneigung gegen den Glauben, der einst aus seiner Mitte hervorging." In dem Bericht des Missionspredigers l\ Bieling wird u. a. kundgegeben, daß von den ßß Juden, die sich im Jahre 1903 zum Taufunterricht meldeten, 21 wegen zweifelhafter Beweggründe, oder weil sie keine Eristenzmittel hatten, abgewiesen wurden. „Solche Israeliten," sagt Herr P. Bieling, „die, ohne daß sie einen rechten Erwerb haben, getauft werden, fallen hernach der Kirche schwer zur Last, am allermeisten aber der Mission, auf die man sie dann abzuschieben pflegt." „Einem Juristen verweigerten wir die Taufe, weil er sich außerstande erklärte, das apostolische Glaubensbekenntnis als sein Bekenntnis abzulegen. Er ist gleich danach von einem anderen Berliner Geistlichen, der daran keinen Anstoß nahm, dennoch getauft worden. Ein Judenchnst, der zwar nicht von uns getauft ist, aber lange Zeit ein Sorgenkind der Mission war, ist jetzt nach 34 Jahren, wieder ins Judentum zurückgekehrt. Einer unserer eigenen Täuflinge wendet sich nach dem Rücktritt ins Judentum mit Kampfschriften gegen die christliche Kirche und kündet ihr die Zertrümmerung an.