Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- München
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 43 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen 43 Reichstagsabgeordnete Wilhelm Bruhn, Verleger der antisemitischen „Staatsbürgerzeitung" in Berlin, über das Thema: „Der deutsche Mittelstand und seine Feinde" sprach, recht kläglich verlaufen. Nach dem Vorträge warnte der christlich-soziale Redakteur Wengg vor einer Zersplitterung des Mittelstandes, worauf der Bahnexpeditor Bauer der christlich-sozialen Partei vorwarf, wirtschaftliche Anträge zu religiösen Anträgen zu machen. Die Debatte nahm dadurch einen solchen Charakter an, daß dem aufs höchste gereizten Abg. Wilhelm Bruhn die geflügelten Worte entschlüpften: „Wenn Sie erwartet haben, daß ich Jude werde, wenn ich nach München komme, dann haben Sie sich geirrt!" Der Metzgermeister Wallner nahm sich zwar seiner an, indem er beklagte, daß die Christlich-sozialen den Redner der Mittelstandspartei über schrieen hätten, wachte aber dann selbst gegen „die Großagrarier" Front, „die Fleisch und Brot verteuern". Ein Herr Hirschhauer forderte zum Anschluß an das Zentrum auf, weil die Vereinsmeierei im Mittelstand diesen nur zersplittere und der Sozialdemokratie zuführe. Bruhn bemerkte als Referent in seinem Schlußworte, wer zugeoe, daß es eine Judenfrage gebe, fei auf dem besten Wege zum Antisemitismus. Er warnte vor einem Bruderzwist im Mittelstand und mahnte zur Einigkeit. Herr Bruhn wird wahrscheinlich nie wilder nach München gehen, wo man seiner Meinung nach eine Erwartung gehegt haben soll, die für die Juden noch erschreckender als für ihn selbst wäre. ± Weilheiw, Oberbayern, 3. Jan. Am 18. v. Mts. wurde auf hiesigem Friedhofe der verstorbene Bankier Anton Mayer beerdigt, der lange Jahre hindurch hier Magistratsrat und Verwaltungsrat der freiwilligen Feuerwehr war. Wie üblich, waren auch zu dieser Beerdigung von der Feuerwehr als „Sargbegleiter" 6 Mann kommandiert, von denen, wie das „Vaterland" besonders betont, vier Katholiken, einer Protestant und einer Jude war. In Weilheim wohnen nur 2 jüdische Familien. X Wien, 2. Jan. Der Hofschauspieler Adolf von Sonnenthal, der am 21. Dezember seinen siebzigsten Geburtstag feierte, ist nicht nur ein Künstler von seltener Begabung, sondern ein Mann von Charakter, der im Sinne seiner längstverstorbenen strengreligiösen Eltern unerschütterlich an seinem Judentum festhält und jüdische Bestrebungen, so u. a. den Verein zur Konservierung jüdischer Altertümer in Wien, eifrig fördert. In der von dem Baurat SLiaßny dem Jubilar überreichten Adresse des Kuratoriums des „Jüdischen Museums" heißt es: „Uns, die wir Ihnen glaubensbrüderlich n.ahestehen, erfüllt es mit besonderem Stolze, daß Sie eine der Herr-