Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Danzig
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 40 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316729--13340-2334495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
40 Im deutschen Reich. entschloß sich erst auf Anordnung des Oberstaatsanwalts zur Erhebung der Anklage. Das Landgericht jedoch lehnte nach dem Ergebnis der Voruntersuchung die Eröffnung der Hauptverhandlung ab, weil Vermögensbeschädigung und Betrug nicht vorliege. Nach dem Empfang des Bescheides des Oberstaatsanwalts sagte v. d. Lanken in Bütow in seinem Stammlokal Zu den Gästen inbezug auf Scheidemann: „Das ist eine Gemeinheit von dem Juden. Er hat Wechselforderungen an mich gehabt und deshalb geglaubt, mir so etwas bieten Zu können." Wegen dieser öffentlichen Beleidigung wurde v. d. Lanken von Scheidemann verklagt, aber vom Bütower Schöffengericht sreigesvrochen. Trotzdem die Verhandlung, in der die ganze geschäftliche Tätigkeit Scheidemanns einer eingehenden Prüfung unterzogen wurde, ein für den Kläger glänzendes Ergebnis hatte, und auch nicht der Schatten eines Verdachtes von Unreellität oder gar Betrug übrig blieb, trotzdem von einer Reihe von Rittergutsbesitzern die über jedem Zweifel erhabene Redlichkeit des Klägers bestätigt wurde, nahm das Bütower Schöffengericht an, die obige Aeußerung sei in Wahrnehmung berechtigter Interessen getan: der Angeklagte hätte in den Glauben versetzt sein können, als wollte Scheidemann ihn täuschen. Daß dieses Urteil von der^Berusungs-Jnstanz in Stolp, an die sich Herr Scheidemann gewandt hat, aufgehoben werden wird, unterliegt kaum einem Zweifeh da bekanntlich für die Wahrnehmung berechtigter Interessen von den Gerichten, besonders vom Reichsgericht, ans wohlerwogenen Gründen außerordentlich enge Grenzen gezogen werden. — Bei den kürzlich hier stattgehabten Stadtverordnetenwahlen wurden der erste Vorsteher der Svnagogengeweinde, Philipp Simson, und der Landtagsabgeordnete, Kommerzienrat Münsterberg, wiedergewählt, der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, Rechtsanwalt Behrendt, neu gewählt. Außer den genannten Mitgliedern der hiesigen Synagogen-Gemeinde gehört der Stadtverordnetenversammlung auch der 84 Jahre alte Geheime Sanitätsrat Di*. Semon an. ± Reifte, 3. Januar. Kürzlich hat sich hier der Kanonier Strauß vom 2. Bataillon des Fußartillerie - Regiments Nr. 6 vom zweiten Stockwerk der Kaserne hmuntergestürzt und ist schwer verletzt ins Lazarett geschafft worden. Der bedauernswerte Mann soll, dem „Oberschl. Tageblatt" zufolge, schwer mißhandelt und wegen seiner jüdischen Religion arg gehänselt worden sein. X Hannover, 2. Januar. Den Glanzpunkt der kürzlich in der „Israelitischen E r z i e h u n g s a n st alt i n Ahle m" abgehaltenen Chanukah-Feier bildeten die turnerischen Leistungen der Knaben.